Gewinner und Verlierer der Grundrente

SPD-Politiker möchten die sogenannte Grundrente einführen. Mehr als 900 Euro soll es pro Monat für Senioren geben – und das ohne Prüfung der Bedürftigkeit. Rechenbeispiele zeigen, wer davon profitiert und für wen das Konzept Nachteile mit sich bringt.

22.02.2019
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 22.02.2019
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Altersarmut
© Alexas_Fotos/pixabay.com

Wenn es nach Arbeitsminister Heil (SPD) geht, soll es im Alter eine Grundrente von über 900 Euro geben. Und zwar für jeden, der 35 Jahre oder mehr gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Geringverdiener, die aus ihren Beitragsjahren weniger als 896 Euro Rente schöpfen, sollen mit der Grundrente eine Aufwertung ihrer Altersbezüge bekommen.

Wer über einen längeren Zeitraum durchschnittliche Beiträge in die Rentenversicherung einzahlt und im Alter mehr als 896 Euro erhält, bekommt keine Grundrente ausgezahlt. „Wenn jemand 900 Euro bekommt, weil er dafür bezahlt hat: Wie soll er dann Respekt haben vor dem, der nur für 800 Euro bezahlt hat und dann auch auf 900 Euro kommt?“, gibt der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg in einem Interview zu bedenken.

Rechenbeispiele zur Grundrente

FOCUS Online rechnet vor, wie sich die Grundrente bei unterschiedlichen Erwerbsbiografien und Lebensmodellen auswirken könnte. Ein Hinweis vorweg: Hierbei handelt es sich um eine vereinfachte Rechnung. Die tatsächliche Rentenhöhe kann zusätzlich von weiteren Faktoren beeinflusst werden, zum Beispiel von Erziehungs- oder Ausbildungszeiten.

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Beispiel 1, Gewinnerin:

Arzthelferin, 40 Jahre Teilzeit, verheiratet

Eine Arzthelferin arbeitet Teilzeit, weil ihr Mann genug verdient. Sie erhält einen jährlichen Bruttolohn von 14.841 Euro. Damit bekommt sie pro Jahr 0,4 Entgeltpunkte. Ein Entgeltpunkt ergibt aktuell eine Rente von 32,03 Euro pro Monat (West). Demnach beträgt die Rente der Arzthelferin nach 40 Arbeitsjahren 512,48 Euro. Sie würde zusätzlich eine Grundrente von 448,42 Euro erhalten. Insgesamt käme sie dann auf ein monatliches Renteneinkommen von 960,90 Euro.

Sie zählt eindeutig zu den Gewinnern, denn nach Heils Plänen würde die Grundrente ihr zustehen, ohne dass eine Bedürftigkeitsprüfung stattfindet. Wie viel Rente ihr Mann zum Haushaltseinkommen beisteuert, würde deshalb keine Rolle spielen. Kritiker betonen, dass die Arzthelferin in diesem Beispiel Hilfe bekommen würde, die sie aufgrund des hohen Einkommens ihres Mannes gar nicht braucht.

Beispiel 2, Verliererin:

Arzthelferin, 40 Jahre Vollzeit, ledig

Eine Arzthelferin, die hingegen Vollzeit arbeitet und doppelt so viel verdient, also 29.682 Euro brutto, erhält pro Jahr 0,8 Entgeltpunkte. Nach 40 Jahren Erwerbstätigkeit würde sie eine Rente von ca. 1.024 Euro beziehen und demnach keine Aufstockung aus der Grundrente erhalten.

Die in Vollzeit arbeitende Arzthelferin kann sich als Verliererin betrachten, weil sie trotz doppelter Arbeitsleistung nur knapp 64 Euro mehr Rente erhält als ihre Kollegin mit dem Teilzeitjob. Hinzu kommt, dass sie ledig ist und es keinen Mann gibt, dessen Rentenbezüge das gesamte Haushaltseinkommen erhöhen.



Beispiel 3, Gewinnerin und Verliererin:

Arzthelferin, 20 Jahre Vollzeit, 20 Jahre Teilzeit, ledig

Eine weitere Arzthelferin, die 20 Jahre Vollzeit und 20 Jahre Teilzeit gearbeitet hat, hat (bei gleichem Verdienst wie oben) im Schnitt 0,6 Entgeltpunkte pro Jahr angesammelt. Ihre Rente beträgt demnach 768 Euro. Sie würde noch Grundrente in Höhe von 256 Euro erhalten, womit ihre Gesamtrente 1.024 Euro betrüge.

Auch sie kann sich als Gewinnerin betrachten. Zumindest im Vergleich zur Kollegin aus Beispiel 2. Mit der Grundrente erhält sie im Alter genauso viel Geld, obwohl sie deutlich weniger gearbeitet hat. Ein Vergleich mit der Kollegin aus Beispiel 1 zeigt die Arzthelferin allerdings als Verliererin. Obwohl sie mehr gearbeitet hat, bekommt sie nur etwas mehr Rente und muss sich, weil sie ledig ist, mit dem Betrag komplett selbst versorgen.

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Private Altersvorsorge wichtiger denn je

Die Beispiele verdeutlichen, wie unsicher das Konzept der gesetzlichen Rentenversicherung sein kann. Die private Vorsorge, mit der man sich zumindest teilweise vom Staat unabhängig macht, ist deshalb umso wichtiger. Besonders für jüngere Generationen sollte die private Altersvorsorge eine wichtige Rolle spielen. Denn wenn sich die Grundrente durchsetzt, muss diese von den jungen Generationen finanziert werden - entweder über Steuergelder oder über die Rentenversicherung. Ob die Grundrente den jungen Zahlern im Alter auch zustehen wird, ist dabei keinesfalls sicher. Welche Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge es gibt und wie Sie dabei am besten vorgehen, lesen Sie hier.


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