Weniger Stress und Belastung mit Slow Work

Arbeitnehmer müssen heutzutage immer schneller, besser und produktiver sein. Denn Zeit ist Geld und Geld ist knapp. Was dabei zu kurz kommt? Die Gesundheit. Denn Zeitdruck ist Stress und Stress macht krank.

02.11.2018
  • Lesezeit ca. 3 Minuten
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  • 02.11.2018
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Mann schaut auf sein Smartphone und hat Kopfhörer auf
© LDprod/www.shutterstock.com

Slow Work ist ein Trend aus den USA, der zunächst nach Faulheit klingt. Das Prinzip der „langsamen Arbeit“ soll Arbeitnehmer aber nicht dazu ermuntern, sich gemütlich zurückzulehnen und die Arbeit schweifen zu lassen. Vielmehr geht es darum, den Alltag von Stress und Hektik zu befreien. Auf diese Weise sollen nicht nur Produktivität und Leistung verbessert werden, sonder auch Zufriedenheit und Gesundheit.

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Bei hohem Tempo bleibt viel auf der Strecke

Viele Branchen verlangen Ihren Arbeitnehmern immer mehr ab. Oft geht es nicht nur darum, gute Leistungen zu bringen. Sie müssen auch Schlag auf Schlag erfolgen. Gehetzte Arbeitnehmer stehen ständig unter dem Druck, abliefern zu müssen.

Die Arbeit hat einen hohen Einfluss auf das Selbstwertgefühl vieler Menschen. In Zeiten, in denen Erfolge längst keine persönliche Motivationsquelle mehr sind, sondern eine Art Mindestanforderung, schrumpft das Selbstvertrauen, während Zweifel und Frustration zunehmen. Mit Slow Work soll der Effekt genau umgekehrt sein: Die Arbeit soll wieder motivieren, einen Sinn geben und Menschen in ihrem Tun bestätigen. Um dadurch mehr Lebensqualität zu erreichen, müssen Betroffene vor allem selbst etwas ändern.

Mehr Zeit einplanen, weniger Zeit benötigen

Slow Work bedeutet einen ganz neuen Umgang mit der eigenen Arbeit. Es geht nicht darum, einfach langsamer oder weniger zu arbeiten. Die verfügbare Zeit soll bewusst eingeteilt und somit sinnvoller genutzt werden. Ein erster Schritt kann die Anfertigung und strikte Befolgung einer To-do-Liste sein. Was zunächst wenig hilfreich klingt, hat doch einen entscheidenden Vorteil: Wer seine To-dos strukturiert anlegt, muss sie nicht mehr im Kopf haben. Ein Wochenplan mit zu erledigenden Aufgaben und dazugehörigen Deadlines schafft Platz im Oberstübchen und verhindert, dass die Gedanken ständig um all das kreisen, was man auf keinen Fall vergessen darf. Der wesentliche Trick dabei ist, für jede Aufgabe etwas mehr Zeit einzuplanen, als tatsächlich benötigt wird. Auf diese Weise reduziert sich der Stress und die Arbeit fällt leichter. Zeit, die dann übrig bleibt, kann zum Beispiel genutzt werden, um kreative Ideen zu entwickeln oder den Arbeitsplatz und die eigenen Gedanken zu ordnen.



Monotasking statt Multitasking

Die To-do-Liste ist ein erster Schritt weg vom Multitasking und hin zum Monotasking. Denn um Stress zu reduzieren, ist es wichtig, sich möglichst nur auf eine Sache zu konzentrieren. Wenn der Fokus auf mehreren Dingen gleichzeitig liegt, ist das ein echter Stressfaktor. Denn es fühlt sich an, als sei alles begonnen und nichts abgeschlossen. Ein viel besseres Gefühl stellt sich ein, wenn die Konzentration gesammelt und auf eine Aufgabe gerichtet wird. So wird die Aufgabe bewusst begonnen und ohne Umschweife zu Ende gebracht. Das Ergebnis ist schnellere und bessere Arbeit, die viel zufriedener macht als viele einzelne Aufgaben, die nicht beendet sind und ständig im Hinterkopf bohren.

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Ausschalten, um abzuschalten

Neben unstrukturiertem Multitasking sorgt auch ständige Erreichbarkeit dafür, dass sich Rastlosigkeit und das Gefühl, nie wirklich fertig zu werden, einschleichen. In Kombination mit Zeit- und Leistungsdruck ist ständige Verfügbarkeit gefährlich für die Psyche. Denn während Betroffene das Gefühl haben, immer mehr zu leisten, fühlt es sich gleichzeitig so an, als würden sie immer weniger schaffen. Außerdem verlängert sich für viele die tatsächliche Arbeitszeit. Auf dem Weg zur Arbeit wird schon einmal der Laptop eingeschaltet, die Mittagspause verwandelt sich zur Besprechungsrunde unter Kollegen und abends auf dem Sofa werden E-Mails gecheckt. Privatleben und Arbeit verschmelzen zunehmend, sodass arbeitsfreie Zeiten kaum noch als solche wahrgenommen werden.

Wer sein Stresslevel und die psychische Belastung mit Slow Work verringern möchte, sollte sich selbst deshalb feste Grenzen setzen. Die Bahnfahrt nutzen, um abzuschalten, Musik zu hören oder ein gutes Buch zu lesen. Den Feierabend auch als solchen genießen und Laptop oder Smartphone ausschalten.

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Langer Atem für lange Strecken

Wer diese Tipps befolgt und sein Tempo drosselt, befindet sich im Vergleich zu manchen Kollegen vielleicht nicht auf der Überholspur. Allerdings handelt es sich beim Arbeitsleben auch nicht um einen Sprint, sondern vielmehr um einen Marathon. Wer am Anfang alles gibt und sich selbst keine Chance zum Durchatmen lässt, hat auf halber Strecke womöglich keine Energie mehr. Slow Work kann der gesündere und nachhaltigere Weg sein.


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