30.000 € Schulden: Deutsche suchen zu spät Rat

Im Leben geht nicht immer alles glatt. Dass sich irgendwann ein paar Schulden anhäufen, daran kommt fast keiner vorbei. Manch einer nimmt einen Kredit fürs Eigenheim auf, andere rutschen durch unglückliche Umstände in die Verschuldung. Wenn es bei der Rückzahlung zu Problemen kommt, trauen sich die meisten nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

06.07.2018
  • Lesezeit ca. 2 Minuten
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  • 06.07.2018
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Frau erhält in einem Brief schlechte Nachrichten
© Andrey_Popov/www.shutterstock.com

Schulden zu haben, ist schon unangenehm genug. Eine Schuldnerberatungsstelle aufzusuchen, grenzt für viele Menschen an eine Peinlichkeit, die kaum auszuhalten ist. Lieber wird das Problem verdrängt, das Unausweichliche hinausgezögert. Bis die Schulden irgendwann so hoch sind, dass es ohne Hilfe nicht mehr geht. Doch der Weg dahin ist lang, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen.

Im Schnitt 28 Monatseinkommen 

Die Schuldenbilanz 2017 zeigt, dass Menschen erst dann Hilfe in Anspruch nehmen, wenn der Schuldenberg auf eine Summe von über 30.000 Euro angestiegen ist. Ein Verbraucher gilt dann als überschuldet, wenn er nicht mehr in der Lage ist, Tag für Tag seine Ausgaben zu decken, ohne die eigene Versorgung zu gefährden.

Im Durchschnitt beläuft sich die Belastung von überschuldeten Menschen auf das 28-Fache ihres monatlichen Einkommens. Von Bundesand zu Bundesland sind allerdings starke Schwankungen festzustellen.

In Rheinland-Pfalz ist die finanzielle Belastung überschuldeter Menschen mit 37.518 Euro am höchsten. Hier stehen die Menschen mit dem 35-Fachen ihres Monatseinkommens in der Kreide. Das bedeutet, dass ein überschuldeter Verbraucher 35 Monate (drei Jahre) benötigen würde, um seine Schulden loszuwerden. Vorausgesetzt, er könnte sein komplettes Einkommen dafür einsetzen.

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In anderen Bundesländern sieht es nicht viel besser aus. Könnten Verbraucher hier ihr gesamtes Einkommen nutzen, um die Schulden abzutragen, bräuchten sie:

34 Monate im Saarland
32 Monate in Nordrhein-Westfalen
30 Monate in Bayern
27 Monate in Niedersachsen, Berlin und Schleswig-Holstein
25 Monate in Bremen
24 Monate in Hamburg und Brandenburg
23 Monate in Mecklenburg-Vorpommern

Unterschiede sind besonders zwischen westlichen und nordöstlichen Bundesländern zu erkennen. Diese seien aber nicht mit unterschiedlich hohen Einkommen zu begründen. Laut Statistikern liegen diese überall in einem ähnlichen Bereich zwischen 925 und 1.193 Euro. Vielmehr sei anhand der Unterschiede abzulesen, dass Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg oder Brandenburg vergleichsweise früher eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, um gegen ihre Schulden anzukämpfen.



Woher kommen die Schulden?

Die meisten überschuldeten Menschen haben weit mehr als einen Gläubiger. 42 Prozent haben Schulden bei mindestens zehn verschiedenen Stellen. Bei 16 Prozent der überschuldeten Verbraucher sind es sogar mehr als 20 Gläubiger. Nur 12 Prozent sind bei einer einzigen Stelle mit einem größeren Betrag verschuldet.

Der häufigste Grund, der zur Überschuldung führt, ist laut Statistik der Verlust des Jobs. Trotz der allgemein gesunkenen Arbeitslosenquote hatten 21 Prozent der Personen, die Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle gesucht haben, finanzielle Probleme durch Arbeitslosigkeit.

Streitfall? Keine Angst vor hohen Kosten

15 Prozent der Hilfesuchenden sind aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls oder einer Sucht in die Überschuldung gelangt. Bei 13 Prozent waren Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners die maßgeblichen Auslöser für die Überschuldung. 12 Prozent der überschuldeten Menschen lebten dauerhaft über ihre Verhältnisse – bei ihnen gilt „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ als Überschuldungsauslöser.


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