Kopfsache: Wie seelischer Druck die Zähne belastet

Stress gehört für die meisten Menschen zum alltäglichen Programm. Immer häufiger wirkt sich das auch negativ auf die Gesundheit aus. Aber nicht nur psychische Krankheiten wie Burnout sind die Folge. Was viele nicht wissen: Stress beeinflusst auch die Zähne.

01.03.2019
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 01.03.2019
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Mann am Schreibtisch
© lukasbieri/pixabay.com

Nicht umsonst gibt es Redewendungen wie „sich irgendwie durchbeißen“, „die Zähne zusammenbeißen“ oder „auf dem Zahnfleisch gehen“. Stress und seelischer Druck können schwer auf unserem Gebiss lasten.

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Stress sorgt für schlechte Zähne

Längst bekannt ist die Tatsache, dass gestresste Menschen häufig mit den Zähnen knirschen. "Wenn Sie unter Druck stehen, mit Sorgen zu kämpfen haben oder sich vor etwas fürchten, kann es sein, dass Sie sich verspannen - das betrifft nicht nur zum Beispiel die Rücken- und Nackenmuskeln, sondern auch die des Kiefers: Sie pressen die Zähne tagsüber und im Schlaf unbewusst stärker zusammen als sonst. Dabei kann im Bereich der Backenzähne ein Druck entstehen, der einem Gewicht von 80 Kilogramm und mehr entspricht", heißt es in einem Bericht im STERN. Wenn die Sorgen vom Kopf ins Gebiss wandern, kann das für die Zahngesundheit ernsthafte Folgen haben. Im schlimmsten Fall bilden sich Risse im Schmelz, sodass ein Zahn sogar brechen kann. Auch Zahnfleischentzündungen können eine unangenehme Folge sein. Darüber hinaus beeinträchtigt langfristiger Stress die Immunabwehr, sodass auch Infektionen im Mundbereich schlechter abgewehrt werden können.

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Stresshormon beeinflusst Zahnentwicklung

Eine neue Erkenntnis haben Forscher nun auf einem Treffen der US-Wissenschaftsorganisation AAAS bekanntgegeben. Sie haben herausgefunden, dass ausgefallene Milchzähne von Kindern Aufschluss darüber geben, ob ein erhöhtes Risiko für psychische Krankheiten besteht. Die US-Forscher seien zu der Erkenntnis gekommen, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren hohem Stress ausgesetzt waren, schlechtere Zähne haben. Die einzelnen Schichten der Zähne seien dann dünner und anfälliger für Karies. Ausgefallene Milchzähne können im Computertomographen durchstrahlt und Veränderungen so gemessen werden. Zum Stress, der die Zähne beeinflusst, gehören sowohl hohe Belastung in der Schule als auch andere Probleme, wie die Scheidung der Eltern und körperlicher oder seelischer Missbrauch.

Zahnschichten sind wie Jahresringe eines Baums

Wer unter Stress steht, produziert das Stresshormon Cortisol. Die Konzentration von Cortisol kann zu bestimmten Zeitpunkten im Blut und im Speichel gemessen werden. Die Gesamtmenge, der ein Mensch ausgesetzt ist, lässt sich dagegen nur in den Zähnen messen. Das Stresshormon habe laut Forschern einen entscheidenden Einfluss auf die Zahnentwicklung.



Die Zähne könnten somit wichtige Hinweise darauf geben, wie die ersten Lebensjahre eines Kindes verlaufen sind. Die meisten psychischen Erkrankungen sind nicht genetisch bedingt, sondern werden durch bestimmte Erfahrungen verursacht. Besonders die ersten Lebensjahre können entscheidend sein. Kinder, die in jungen Jahren Stress ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko, an Depressionen, Essstörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen zu erkranken.

„Zähne zeichnen permanent Stressereignisse auf, die während ihrer Entwicklung entstehen“, erklärt Erin Dunn, Epidemiologin für psychiatrische Erkrankungen am Massachusetts General Hospital in Boston. Die sich im Kreis formenden Zahnschmelzschichten „verraten uns also nicht nur, OB ein Stressereignis stattgefunden hat, sondern auch WANN.“

Schizophrenie und Alzheimer vorhersagen?

Bereits 2005 fanden Forscher von der University of California heraus, dass Schwermetalle sich in entwickelnde Zähne einlagern können. Andere US-Forscher stellten im Jahr 2017 einen Zusammenhang zwischen Blei und Schizophrenie fest. Anhand von aufgehobenen Milchzähnen zeigten sie, dass Menschen, die vor oder kurz nach der Geburt einer hohen Bleikonzentration ausgesetzt waren, ein erhöhtes Risiko haben, schizophren zu werden.

Ähnliches soll für Alzheimer gelten. Marc Weisskopf von der Universität Harvard glaubt, dass auch das Alzheimerrisiko mit hohen Bleikonzentrationen zusammenhängen könnte. Schwermetalle sollen sich positiv auf die Bildung von Amyloid-Paques im Gehirn auswirken, die wiederum typisch für Alzheimer sind. Ob diese Theorie stimmt, untersucht er aktuell an 400 Probanden.

Die mögliche Vorhersage von psychischen und neurologischen Erkrankungen mit Hilfe von ausgefallenen Zähnen steht damit gerade am Anfang, könnte sich in Zukunft aber durchaus weiterentwickeln. 


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