Intelligente Stromzähler sind nicht sicher

Sogar Hackerangriffe drohen: Intelligente Stromzähler sollen künftig in der Lage sein, die Energiekosten für Verbraucher zu verringern und Transparenz über den Verbrauch zu schaffen. Doch Hersteller haben Schwierigkeiten mit den hohen Sicherheitsanforderungen.

27.04.2018
  • Lesezeit ca. 1:30 Minute
  • |
    27.04.2018
  • Lesezeit ca. 1:30 Minute
Glühbirnenmännchen
© ColiN00B/pixabay.com

Stromzählern Intelligenz einflößen und Kosten sparen? Keine schlechte Idee, aber an der Umsetzung hapert es. Hersteller wollen Zähler auf den Markt bringen, die intelligent mit Strom umgehen. Diese sollen nicht nur den Verbrauch eines Haushalts messen, sondern ihn auch den jeweiligen Geräten zuordnen können. Die Wäsche genau dann waschen, wenn es besonders günstig ist? Den Strom der Solaranlage zu guten Preisen abgeben oder das Elektroauto nachts laden? Das alles soll dann kein Problem mehr sein.

Was sind intelligente Stromzähler?

Intelligente Stromzähler bestehen aus zwei Elementen. Dem digitalen Stromzähler (auch moderne Messeinrichtung) und einem Kommunikationsmodul, dem sogenannten Gateway. Der digitale Stromzähler ermöglicht es dem Kunden, seinen Stromverbrauch genau abzulesen. Er kann nicht nur den gesamten Zählerstand ablesen, sondern auch feststellen, wie viel Strom er an einem Tag, in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr verbraucht hat. Zu einem intelligenten Stromnetz wird das Ganze aber erst durch die Gateways. Sie verbinden Stromzähler mit Netzbetreibern und Stromlieferanten und übermitteln die gesammelten Daten über das Internet.



Bisher keine Genehmigung

In der Übermittlung der Daten liegt die Schwachstelle. Denn bisher ist es keinem Hersteller gelungen, die nötigen Sicherheitsstandards einzuhalten. Ursprünglich sollte bereits 2017 jeder Haushalt mit einem Stromverbrauch ab 10.000 Kilowattstunden im Jahr mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet werden. Für 2020 ist der Pflichteinbau für Haushalte ab 6.000 Kilowattstunden vorgesehen. Doch ob es dazu überhaupt kommt, ist noch unsicher. Neun Hersteller haben bereits Geräte beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingereicht. Doch bislang wurde keines davon genehmigt.

Streitfall? Keine Angst vor hohen Kosten

Verbraucherdaten in Gefahr

Die Gateways, die zur Übermittlung von Daten dienen sollen, müssen hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen. Denn es besteht die Gefahr von kriminellen Übergriffen. Sofern die Gateways nicht entsprechend gesichert sind, können Hacker die Stromzähler manipulieren – und zwar so weit, dass sie ganze Häuser vom Strom nehmen könnten. Auch sensible Daten, die Verbraucher persönlich betreffen, geraten unter Umständen in falsche Hände. Hacker könnten Informationen über den Lebensstandard und über alltägliche Abläufe und Gewohnheiten der Verbraucher erhalten. Wie lange es noch dauern wird, bis das BSI grünes Licht für intelligente Stromzähler gibt, ist unklar.

Diesen Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?
Ø 4,8 / 5 Sternen aus 16 Meinungen
Artikel teilen