Wohngebäudeversicherungen werden teurer: Zeit für einen Wechsel?

Nachdem bereits viele Produkten und Dienstleistungen von Preissteigerungen betroffen waren, ziehen nun auch bei vielen Versicherungen die Beiträge an. So steigen die Tarife zum Beispiel bei der Wohngebäudeversicherung ab 2023 um 15 Prozent und mehr.

14.11.2022
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
  • |
    14.11.2022
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
Modellhaus auf Geldscheinen mit Taschenrechner
© Shawn Hempel/www.shutterstock.com

Die meisten Wohngebäudepolicen sehen im Fall eines Totalschadens einen Ersatz zum Neuwert vor. Ihr Versicherer bezahlt Ihnen dann den kompletten Neubau eines vergleichbaren Gebäudes. Das ergibt Sinn, denn zu einem bestimmten Zeitwert bei Versicherungsabschluss lässt sich schon ein paar Jahre später kein adäquater Neubau mehr errichten. Baukosten klettern seit Jahren kontinuierlich – zuletzt mit dramatischen Steigerungsraten. Um trotzdem immer vollständigen Ersatz im Schadensfall zu garantieren, beinhalten viele Wohngebäudeversicherungen deswegen seit Langem einen gleitenden Neuwerttarif. Zu diesem gehört immer ein Anpassungsfaktor, der die Baupreisentwicklung einbezieht.

Aktuell hohe Baukosten treiben Versicherungstarife nach oben

In den letzten Jahren wuchs dieser Anpassungsfaktor jeweils um rund drei Prozent im Jahr. Die Auswirkungen auf die Versicherungsbeiträge blieben damit moderat. Jetzt hat der Gesamtverband der Versicherer (GdV) jedoch einen Anstieg von 14,7 Prozent für das Jahr 2022 festgestellt, der im kommenden Versicherungsjahr für einen Anstieg der Beiträge für eine Wohngebäudeversicherung in gleichem Maß sorgt.

Bisher zahlten Sie 1200 Euro p.a. für Ihre Wohngebäudeversicherung. Nun kommt ein Aufschlag von 14,7 Prozent oder 176,40 Euro hinzu. 2023 kostet Sie die Versicherung dann 1376,40 Euro jährlich oder monatlich rund 15 Euro mehr.

Das Statistische Bundesamt hat für 2022 sogar noch höhere Baukostensteigerungen ermittelt – 17,6 Prozent. Manche Versicherer werden ihre Kundinnen und Kunden auch über die rund 15 Prozent Anpassungsfaktor hinaus im nächsten Jahr zur Kasse bitten.

Höhere Schäden verursachen vielfach weitere Beitragssteigerungen

Zusätzlich zum gleitenden Neuwert beziehen Wohngebäudeversicherungen oftmals Gebäudealterstaffeln mit ein, die jährlich automatisch zu Tarifaufschlägen von einem bis fünf Prozent führen. Sie addieren sich unter Umständen noch zum Anpassungsfaktor hinzu. Außerdem verzeichnen die Versicherer zunehmend häufigere und höhere Gebäudeschäden. Auch das sind nie gute Nachrichten für Versicherte, weil die Gesellschaften darauf mit höheren Beiträgen reagieren. Versicherungsmakler schätzen, dass manche Gebäudebesitzer 2023 unterm Strich bis zu 30 Prozent höhere Prämien zahlen müssen. Können Sie etwas gegen diese Erhöhungen tun?



Kein Sonderkündigungsrecht durch die Erhöhung des Anpassungsfaktors

Grundsätzlich gilt: Erhöhen Versicherer ihre Tarife ohne verbesserte Leistungen, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht von vier Wochen. Bei den gleitenden Neuwerttarifen einer Wohngebäudeversicherung mit Anpassungsfaktor besteht diese Möglichkeit jedoch nicht. Sie können der Anpassung zwar widersprechen, dürfen dann allerdings nicht mehr mit einem vollständigen Versicherungsschutz rechnen.

Aber: Will Ihr Versicherer weitere Erhöhungen beispielsweise wegen gestiegener Schadensregulierungen vornehmen, gilt automatisch wieder Ihr Sonderkündigungsrecht. Sie haben jetzt vier Wochen Zeit für die Kündigung, sollten dabei aber auf einen nahtlosen Versicherungsschutz durch eine andere Gesellschaft achten.

Was ist in der Wohngebäudeversicherung überhaupt versichert?

Eine Wohngebäudeversicherung tritt für folgende Schäden ein:

  • Blitzschlag, Explosion oder Implosion
  • Feuer
  • Leitungswasser
  • Überspannung
  • Sturm und Hagel

Daneben haben Sie die Möglichkeit, zusätzlich einen Elementarschutz gegen Starkregen oder Überschwemmungen abzuschließen. Allein die steigende Häufigkeit von Extremwetterereignissen in vielen Regionen Deutschlands liefert ein wichtiges Argument für den Abschluss einer Elementarschutz- oder Wohngebäudeversicherung.

Denn schlimmstenfalls haben Sie bei einem Totalschaden ein zerstörtes Haus mit eventuell noch offener Baufinanzierung, aber ohne Versicherungsschutz keine Optionen, ein neues Haus zu bauen. Hier ist schnell die komplette Existenz gefährdet.

Sparen bei der Wohngebäudeversicherung

Die Wohngebäudeversicherung zählt zu den wichtigsten Versicherungen für alle Immobilieneigentümer. Sie sollten, wenn es finanziell irgendwie machbar ist, niemals ganz auf diese Versicherung verzichten. Dafür gibt es Möglichkeiten, die Beiträge zu reduzieren. Mit einem Versicherungswechsel können Sie bei Gebäudeversicherungen oft einige Hundert Euro im Jahr einsparen. Die Tarife der Versicherer weisen mitunter erhebliche Differenzen auf. Planen Sie den Wechsel aber immer übergangslos, sodass jederzeit Versicherungsschutz für Ihr Objekt besteht.

Außerdem senken Sie Ihre Beiträge deutlich, wenn Sie sich für einen höheren Selbstbehalt im Schadensfall entscheiden. Kleinere Schäden müssen Sie dann zwar meist selbst tragen, senken Jahr für Jahr jedoch Ihre Beiträge für die Wohngebäudeversicherung deutlich.

Diesen Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?
Ø 4 / 5 Sternen aus 1 Meinung
Artikel teilen