Beratung der Rentenversicherung nur „ausreichend“

Die Stiftung Warentest hat die Beratungsleistung der deutschen Rentenversicherung getestet und teilweise als unzureichend bewertet. Für viele Menschen ist eine ausführliche Beratung allerdings wichtig, um im Alter ausreichend versorgt zu sein. Was die Testergebnisse gezeigt haben und worauf Verbraucher bei der Beratung achten müssen.

20.09.2019
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 20.09.2019
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Familie bei einem Beratungsgespräch
© Goodluz/www.shutterstock.com

Insgesamt 80 Testpersonen haben sich im Auftrag der Stiftung Warentest bei den gesetzlichen Rentenversicherungsträgern beraten lassen. Hierbei ging es vor allem um die Frage, wie hoch der persönliche Bedarf zur zusätzlichen Vorsorge ist und welche Möglichkeiten dafür infrage kommen.

Berater erkennen Rentenlücke nicht

Nicht jeder kann im Laufe seines Arbeitslebens genug in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um im Ruhestand eine ausreichend hohe Rente zu beziehen. Gründe dafür sind vor allem Teilzeitarbeit oder berufliche Auszeiten. Aber auch Arbeitnehmer, die durchgehend beschäftigt waren und nur niedrige Löhne erhielten, blicken am Ende auf eine geringe Rente.

Wer im Alter nicht genügend Einkünfte hat, um seine Ausgaben zu decken und den Lebensstandard weitestgehend zu halten, hat eine sogenannte Rentenlücke. Diese kann mit zusätzlicher Vorsorge geschlossen werden – einer der Hauptgründe, warum sich Arbeitnehmer bei der Rentenversicherung beraten lassen.

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Die meisten Berater scheitern

Laut Stiftung Warentest ist es nur 15 von 80 Beratern gelungen, alle voraussichtlichen Einkünfte aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge zu ermitteln und daraus die individuelle Rentenlücke eines Versicherten zu berechnen. Die meisten Berater konnten lediglich „noch akzeptable“ Informationen zum gesetzlichen Rentenanspruch der Tester geben. Allerdings nützt das den Versicherten wenig. Denn diese Informationen erhalten sie ohnehin im regelmäßigen Rentenbescheid per Post. Alles, was darüber hinaus geht, konnten die Berater laut Urteil der Stiftung Warentest nicht zufriedenstellend behandeln. Bei Fragen rund um die zusätzliche Altersvorsorge „patzten viele Berater und konnten überhaupt nicht helfen“.



Rentenberatung erhält Note „ausreichend“

Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest, bezeichnet das Ergebnis als ernüchtern. Insgesamt erhielt die Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung die Note „ausreichend“. „Das muss im Interesse der 55 Millionen gesetzlich Rentenversicherten besser werden“, wird Primus im Handelsblatt zitiert.

Die Stiftung Warentest bemängelte vor allem auch fehlende Hinweise darauf, welche steuerlichen Förderungen bei der Altersvorsorge genutzt werden können oder welche Abgaben beim späteren Bezug anfallen und die Rente mindern.

Rentenversicherung reagiert auf Kritik

Laut Internetportal Ihre Vorsorge hat die Deutsche Rentenversicherung einsichtig auf das Urteil reagiert. Demnach heißt es in der Stellungnahme: „Die Rentenversicherung wird die Ergebnisse der Untersuchung der Stiftung Warentest zur Altersvorsorgeberatung genau analysieren […] und prüfen, inwieweit sie ihre Aktivitäten in diesem Bereich im Einzelfall verbessern kann.“

Die Rentenversicherung betont darüber hinaus, dass die Stiftung Warentest in der Vergangenheit schon oft über die Rentenberatung berichtet und durchaus auch positive Urteile gefällt habe. Auch interne Befragungen von 28.000 Kunden hätten im letzten Jahr zu einem guten Ergebnis geführt. „Die Rentenversicherung unterstützt ihre Kundinnen und Kunden in den Auskunfts- und Beratungsstellen bei der Planung ihrer individuellen Altersvorsorge. Ziel der persönlichen Gespräche ist es, das monatliche Alterseinkommen […] zu schätzen und über mögliche Wege einer zusätzlichen Altersvorsorge zu informieren“, heißt es.



Beratung trotz schlechtem Urteil wichtig

Obwohl die Stiftung Warentest kein positives Urteil geben konnte, rät sie dennoch zur Beratung bei der Rentenversicherung. Denn sie nehme eine unabhängige und neutrale Funktion ein und könne so objektive Informationen vermitteln. Auf Banken, Versicherungen und andere Finanzberater treffe das nicht zu. Hier müsse man für eine Beratung außerdem viel bezahlen – bei der Deutschen Rentenversicherung ist sie kostenlos.

Wichtig sei vor allem, sich gut auf die Beratung vorzubereiten. Alle möglichen Belege zum eigenen Rentenkonto sollten gesammelt und zum Gespräch mitgebracht werden. Außerdem sei es wichtig, dass Versicherte von selbst auf das Thema Rentenlücke zu sprechen kommen und betonen, dass ihnen hier eine Beratung wichtig ist.


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