Deutsche trauen sich nicht, ihren Job zu wechseln

Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass die meisten Deutschen schon einmal unzufrieden mit ihrem Job waren. Trotzdem scheut sich ein Großteil vor der Kündigung. Grund dafür ist in erster Linie mangelndes Selbstvertrauen.

19.12.2018
  • Lesezeit ca. 2 Minuten
  • |
  • 19.12.2018
  • Lesezeit ca. 2 Minuten
Mann bei der Arbeit im Büro
© everything possible/www.shutterstock.com

Das Karrierenetzwerk LinkedIn hat das Ergebnis einer Studie veröffentlicht, die vom unabhängigen Marktforschungsinstitut Opinium durchgeführt wurde. 1.003 Arbeitnehmer haben im September 2018 an einer Online-Befragung teilgenommen, die zu folgendem Ergebnis kam: Die Deutschen haben Angst vor einem Jobwechsel.

Unzufriedenheit vs. Selbstvertrauen

Laut Angaben von LinkedIn saßen schon 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer in einem Job fest, den sie nicht mochten. Nur ein sehr geringer Teil ist in dieser Situation sofort zu einem Wechsel bereit. Ganz im Gegenteil: Im Durchschnitt dauert es elf Monate, bis Arbeitnehmer überhaupt ernsthaft an eine Kündigung denken.

Die Hauptgründe für eine Kündigung sind

  • Gehaltserhöhungen
  • Neue Herausforderungen
  • Eine bessere Work-Life-Balance

Im Vordergrund steht dennoch zögerliches Verhalten. Laut Umfrage ist vor allem mangelndes Selbstvertrauen schuld daran. 31 Prozent der Umfrage-Teilnehmer haben schon einmal von einer Bewerbung abgesehen, weil ihnen das Selbstbewusstsein fehlte. Vor allem für Frauen und Millenials spielt dieser Punkt eine große Rolle.

  • 33 Prozent der Befragten glauben, dass es bessere Bewerber als sie selbst gibt.
  • 30 Prozent glauben, dass sie nicht genügend Berufserfahrung haben.
  • 28 Prozent möchten die eigene Komfortzone nicht verlassen.


Besonders jüngere Arbeitnehmer betroffen

Besonders junge Menschen sind in dieser Hinsicht unsicher. Fast die Hälfte (44 Prozent) der 18- bis 34-Jährigen gibt an, wegen zu geringem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schon einmal auf eine Bewerbung verzichtet zu haben. Bei den 35- bis 54-Jährigen sind es mit 22 Prozent nur halb so viele. Von den Arbeitnehmern, die über 55 Jahre alt sind, haben nur 16 Prozent eine solche Erfahrung gemacht.

Frauen sind unsicherer als Männer

Nicht nur zwischen den Altersgruppen, sondern auch zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede. Während nur 26 Prozent der Männer mit Selbstzweifeln zu tun haben, sind es bei den Frauen 36 Prozent.

Lesen Sie auch: Fit oder fertig? So geht es Deutschlands Arbeitnehmern

Mangelndes Selbstvertrauen ist nicht alles

Neben Zweifeln an den eigenen Fähigkeiten gibt es auch noch andere Gründe, die von einem neuen Job abhalten. Auch hier stehen Unsicherheiten im Vordergrund.

  • 23 Prozent der Befragten haben Angst, dass der neue Job ihnen nicht gefallen könnte oder sogar schlechter als der aktuelle ist.
  • 16 Prozent möchten ihren Arbeitgeber nicht im Stich lassen und fühlen sich ihm gegenüber verpflichtet.
  • 15 Prozent haben Angst vor unfreundlichen Kollegen.

Arbeitnehmer wünschen sich Unterstützung

Diese Hürden sind nicht nur für Arbeitnehmer problematisch. Auch für viele Unternehmen, die neue Mitarbeiter suchen und unter Fachkräftemangel leiden, hat das zögerliche Verhalten negative Folgen. Deshalb sind auch Arbeitgeber gefragt und müssen unter Umständen aktiv werden. Denn 26 Prozent der befragten Arbeitnehmer wünschen sich, dass Unternehmen die Initiative ergreifen und aktiv auf potenzielle Bewerber zugehen. 17 Prozent würden außerdem gerne mit einem Angestellten in einer ähnlichen Position sprechen, um ausgeschriebene Stellen realistisch bewerten zu können. 16 Prozent würden gerne beim Bewerbungsprozess begleitet und mit Ratschlägen unterstützt werden.

„Dass motivierte und glückliche Menschen die besten Mitarbeiter sind, ist kein Geheimnis. Anhaltende Motivationstiefs haben jedoch 70 % der Befragten schon einmal verspürt – das sollten Unternehmen durchaus ernst nehmen. In solchen Fällen kann für Arbeitnehmer der Austausch mit Ansprechpartnern, die einen in Karrierefragen beraten und bestärken, Wunder wirken“, meint Jochen Doppelhammer von LinkedIn.


War diese News hilfreich?
Ø 5 / 5 Sternen aus 1 Meinungen
News teilen

Mehr zum Thema Berufsunfähigkeit:

Alles zum Thema Berufsunfähigkeit seguras Zur Startseite