Bargeldloses Bezahlen – rund die Hälfte der Banken kassiert dafür Gebühren

Die Zahl der bargeldlosen Bezahlvorgänge ist in der Corona-Krise rasant angestiegen. Allein mit den Girokarten der Sparkassen wurde im März über elf Prozent häufiger gezahlt als noch im Vormonat. Viele Sparkassenkunden, aber auch Nutzer anderer Banken dürften dafür mittlerweile die ersten Rechnungen bekommen haben – in Form von zum Teil happigen Bankgebühren. Was können Sie jetzt tun?

07.07.2020
  • Lesezeit ca. 4 Minuten
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  • 07.07.2020
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Kartenzahlung
© flyerwerk/pixabay.com

Schon 2018 wurde rund die Hälfte aller Einkäufe in Supermärkten oder bei Einzelhändlern bargeldlos beglichen. Der dabei getätigte Gesamtumsatz überstieg sogar erstmals das Volumen der Bargeldtransaktionen. Seitdem hat das bargeldlose Bezahlen weiter an Popularität gewonnen – auch durch die neuen Bezahlmöglichkeiten mit einem Smartphone. Beim Ausbruch der Corona-Pandemie erlebten die Zahlungsvorgänge mit Bank- und Kreditkarten oder Handys dann einen wahren Boom, weil viele Menschen aus hygienischen Gründen lieber auf den Austausch von Münzen und Scheinen verzichten wollten. Supermärkte und später die wieder eröffneten Geschäfte forderten sogar explizit zur Nutzung von Karten und Handys zum Bezahlen auf – selbst bei Kleinstbeträgen, was noch vor kurzer Zeit von vielen abgelehnt wurde.

Jede bargeldlose Zahlung kostet Händler und viele Kunden Geld

Nicht selten fanden sich früher an den Kassen Hinweisschilder, dass Kartenzahlungen erst ab gewissen Mindestumsätzen erlaubt sind. Denn für jede bargeldlose Transaktion mussten die Händler Gebühren an einen Zahlungsdienstleister bezahlen. Zu diesen Dienstleistern zählt auch die schlagzeilenträchtige Wirecard AG, die zumindest bis zu ihrem Insolvenzantrag alle bargeldlosen Bezahlvorgänge des Discounter-Riesen Aldi Süd abwickelte. Bei dem Abwicklungsvorgang wird der Gegenwert eines Einkaufs vom Konto des Kunden auf das des Händlers gebracht. Dafür müssen die Händler Gebühren bezahlen. Je nach Anbieter, Gebührenmodell oder dem gesamten Transaktionsvolumen kostet eine bargeldlose Bezahlung den Handel zwischen 0,2 und 1 Prozent des Einkaufs- oder Rechnungswerts.

Diese Kosten dürften die meisten Händler mit Durchschnittswerten in ihrer Preisgestaltung berücksichtigt haben. Kunden hingegen, die früher überwiegend bar bezahlt haben, wurden zuletzt immer wieder unangenehm überrascht, wenn sie einen genaueren Blick auf die Abbuchung der monatlichen oder quartalsmäßigen Kontoführungsgebühren ihrer Bank geworfen haben.

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Solche Gebühren verlangt heutzutage die Mehrzahl der Banken im Normalfall. Neben der klassischen Einzelabrechnung für jede Buchung oder weitere Bankdienstleistungen haben sich dabei immer mehr Pauschalpakete mit unterschiedlichem Leistungsumfang etabliert. Bei Anbietern kostenloser Konten sieht es überwiegend ähnlich aus. Wirklich kostenlos sind nur bestimmte eingeschränkte Leistungen. Wollen Kunden mehr, müssen Sie dafür dann doch einzeln bezahlen oder ein Kontoführungspaket buchen.

Wer hier bei einer Kontoeröffnung und der Wahl des Gebührenmodells nicht aufpasst, kann später mit seinem Girokonto schnell in einer großen Kostenfalle landen.



So teuer können Handy- oder Kartenzahlungen werden

Bankkunden, die sich für ein All-inclusive-Paket bei der Kontoführung entschieden haben, müssen sich keine Gedanken machen. Dafür werden aber schnell um die zehn Euro monatlich fällig. So viel Geld ist die Kontoführung einer großen Zahl von Bankkunden nicht wert. Sie haben sich deswegen für sogenannte Basis-, Grund- oder Light- und Klassik-Pakete entschieden, die nur die Hälfte oder noch weniger kosten. Dafür dürfen sie dann aber beispielsweise nur eine bestimmte Zahl von monatlichen Bargeldabhebungen an Automaten vornehmen oder erhalten nur ein gewisses Kontingent belegloser Buchungen. Und hier liegt dann der Fallstrick, der für bargeldloses Bezahlen innerhalb weniger Wochen oder Monate schnell zu Kosten im zwei- oder sogar dreistelligen Bereich führen kann.

Beleglose Buchungen sind Daueraufträge oder Lastschriften und Onlineüberweisungen oder Geldeingänge. Allein ein Dauerauftrag für die Miete, die Gehaltsgutschrift, Abbuchungen der Energieversorger oder der Telekommunikationsanbieter, ein Ratenkredit und andere alltagstypische Zahlvorgänge sind vom Leistungsumfang einfacher Kontoführungspauschalen fast immer abgedeckt. Überschreiten die Kunden aber diese Grenzen von beispielsweise zehn oder 20 kostenfreien monatlichen Buchungsposten, müssen sie für jede weitere Buchung einzeln bezahlen – zwischen zwei und 70 Cent für eine einzige zusätzliche Zahlung.

Besonders Sparkassen und die Volks- oder Raiffeisenbanken lassen sich hier großzügig bezahlen. Die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe holt sich dabei mit 70 Cent Buchungskosten den unrühmlichen Spitzenplatz in aktuellen Bankgebührenvergleichen. Die teuerste VR-Bank fordert mit 60 Cent pro Buchung aber kaum weniger. Bundesweit bewegt sich der Durchschnittspreis für eine zusätzliche beleglose Buchung bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen um die 35 Cent.

Wenn nur einmal die Woche ein Großeinkauf mit Handy oder Karte bezahlt wird, sind diese eventuellen Extra-Gebühren zwar ärgerlich, aber noch zu verschmerzen. In Corona-Zeiten ist es dabei aber häufig nicht geblieben. Kaffee oder Brötchen morgens beim Bäcker, mittags ein Snack vom Imbiss oder nach Feierabend noch kurz ein paar Kleinigkeiten einkaufen: Überall wird jetzt schnell die Karte in das Lesegerät gesteckt oder bei Karten mit kontaktloser NFC-Technik einfach davorgehalten. Pro Tag kommen so leicht zwei, drei oder mehr unter Umständen kostenpflichtige Transaktionen zusammen. Über einen ganzen Monat summieren sich daraus dann sofort ein paar Dutzend Buchungen – 50 davon ergeben zum durchschnittlichen Buchungspreis von 35 Cent sofort zusätzliche Bankgebühren von 17,50 Euro in nur einem einzigen Monat.



Fazit: Konto und Kontoführungsgebühren prüfen

Gegen bereits fällige oder schon belastete Extra-Gebühren können Sie jetzt wenig unternehmen. Sie haben diesen Abrechnungsmodalitäten bei der Kontoeröffnung oder zu einem späteren Zeitpunkt irgendwann einmal zugestimmt. Ein Beratungsfehler wird sich kaum nachweisen lassen. Eventuell reagieren Banken oder Sparkassen mit Kulanz, wenn Sie nun in ein teureres Kontoführungsmodell wechseln. Dessen Mehrpreis kann sich aber schnell rechnen, wenn Sie ihr aktuelles Zahlverhalten mit vielen bargeldlosen Bezahlungen weiterhin beibehalten möchten.

Prüfen Sie grundsätzlich einmal alle Buchungen auf den Kontoauszügen der letzten Monate. Wie viele Bargeldabhebungen oder beleglose Transaktionen fallen durchschnittlich an? Rechnen Sie dazu noch eine kleine Reserve von zehn bis 15 Prozent mehr Buchungen und vergleichen Sie, welches Kontoführungsmodell Ihrer Bank dazu am besten passt. So müssen Sie sich beim bargeldlosen Bezahlen keine Gedanken mehr machen und werden vor allem nicht von teuren Extra-Gebühren überrascht.

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