Krankschreibung per WhatsApp jetzt möglich

Pünktlich zur Erkältungszeit liefert ein Start-up aus Hamburg die Möglichkeit, sich per WhatsApp krankschreiben zu lassen. Und das, ohne vorher persönlich einen Arzt aufsuchen zu müssen. Für viele Arbeitnehmer klingt das zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich bleibt das Konzept nicht ganz von Kritik verschont.

11.01.2019
  • Lesezeit ca. 2 Minuten
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  • 11.01.2019
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Smartphone
© HeikoAL/pixabay.com

Arbeitnehmer, die sich eine Erkältung eingefangen haben, müssen sich trotz schlechtem Zustand für eine Krankschreibung zum Arzt schleppen. Damit soll jetzt Schluss sein. Kurz vor Weihnachten ging ein Rechtsanwalt aus Hamburg mit seinem Unternehmen AU-Schein.de online. Seine rettende Idee für erkältete Arbeitnehmer: Die Krankschreibung per WhatsApp, ganz bequem von zu Hause aus.

Vorteile für Patienten und Ärzte

Allein in Deutschland gibt es pro Jahr mehr als vier Millionen Krankschreibungen nur wegen Erkältungen. Für Ärzte bedeutet das einen enormen Zeitaufwand. Da es immer weniger Hausärzte und immer mehr Patienten gibt, gleichen die Krankschreibungen in vielen Praxen eher einer Massenabfertigung. Patienten müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen und Ärzte können sich oft nur flüchtig mit den Symptomen auseinandersetzen. Die Krankschreibung per WhatsApp soll also nicht nur ein Luxus für Arbeitnehmer sein, sondern auch Hausärzte entlasten. Ein Ziel, von dem wiederum die Patienten profitieren können.

Ist das überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer, der eine Krankschreibung vorlegen muss, den Service über WhatsApp nutzen. Das ist möglich, weil im letzten Jahr die Gesetze zur Telemedizin angepasst wurden. Im Zuge dessen hat sich das allgemeine Fernbehandlungsverbot gelockert, wodurch in einigen Fällen zum Beispiel auch Video-Sprechstunden möglich sind.

Lesen Sie auch: Telemedizin: Video-Sprechstunde von zu Hause

Wie funktioniert die Krankschreibung per WhatsApp?

Wer eine Krankschreibung bekommen möchte, muss zunächst online einige Fragen beantworten. Nutzer müssen ihre Symptome angeben, indem Sie zum Beispiel beantworten, ob sie Husten, Schnupfen oder Fieber haben. Außerdem werden gewisse Risiken ausgeschlossen. Es wird unter anderem nach chronischen Erkrankungen, starken Schmerzen, Tropenreisen oder einer bestehenden Schwangerschaft gefragt.



Zur weiteren Kontaktaufnahme müssen Nutzer ihre WhatsApp-Nummer und andere persönliche Daten angeben. Sie schicken außerdem ein Foto ihrer Versichertenkarte mit. Diese Daten und die beantworteten Fragen werden an einen Arzt übermittelt, der für AU-Schein.de arbeitet. Er überprüft die Angaben und stellt eine Diagnose.

Sofern der Arzt zu dem Schluss kommt, dass eine einfache Erkältung vorliegt, stellt er eine Krankschreibung per WhatsApp oder per Post aus. Lassen die Angaben des Patienten allerdings darauf schließen, dass er zu einer Risikogruppe gehört, bekommt er keine Krankschreibung, sondern muss eine Praxis aufsuchen.

Um Missbrauch vorzubeugen, ist die Krankschreibung per WhatsApp nur zwei Mal im Jahr möglich. Eine Krankschreibung kostet neun Euro. Patienten können ganz bequem mit PayPal oder Klarna bezahlen.

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Mangelnder Datenschutz und Freikarte für Blaumacher?

Sowohl bei den Ärztekammern als auch bei vielen Arbeitgebern stößt das Konzept auf Kritik. Einige Ärztekammern raten deutlich von der Krankschreibung per WhatsApp ab. Einerseits wegen des Datenschutzes und andererseits, weil die rechtliche Grundlage des Online-Services unklar sei.

Arbeitgeber haben dagegen die Befürchtung, dass die Anzahl an Krankschreibungen deutlich zunimmt. Blaumacher könnten die WhatsApp-Krankschreibung ausnutzen und noch häufiger und einfacher zu Hause bleiben.

Unser Tipp: Bevor Sie negativ auffallen, verzichten Sie als Arbeitnehmer lieber noch auf die Krankschreibung per WhatsApp und beobachten Sie die Entwicklung. Denn noch ist unklar, wie Arbeitgeber mit dieser Art der Krankschreibung umgehen und ob sie sie überhaupt akzeptieren. Auch im Hinblick auf den Datenschutz und die rechtliche Lage bietet es sich an, abzuwarten.


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