Wird jetzt auch noch die Kfz-Versicherung teurer? Die neuen Typklassen 2022

Alle Jahre wieder im Herbst veröffentlicht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für das Folgejahr angepasste Typklassen für die beinahe 32.000 unterschiedlichen Automodelle auf Deutschlands Straßen. Die Typklasse eines Fahrzeugs bestimmt wesentlich die Beiträge bei Haftpflicht- und Kaskoversicherung mit. Welche Trends gibt es jetzt und welche Einstufung hat Ihr Fahrzeug 2022?

25.10.2021
  • Lesezeit ca. 4:30 Minuten
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  • 25.10.2021
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Junge Frau steuert ein Auto auf einer Straße
© Syda Productions/www.shutterstock.com

Ob Cabrio, Kleinbus, Limousine oder SUV: Die Höhe der Versicherungsbeiträge für jedes Auto oder andere Fahrzeuge richtet sich immer nach einer Reihe von subjektiven sowie objektiven Merkmalen. Objektive Merkmale ergeben sich direkt aus dem Fahrzeug – zum Beispiel die Motorleistung oder der Tag der Erstzulassung und damit das Fahrzeugalter. Auf der anderen Seite stehen viele subjektive Merkmale wie beispielsweise Ihr Wohn- beziehungsweise Zulassungsort oder die Zeit des Führerscheinbesitzes. Auf den ersten Blick erscheinen solche Daten sehr individuell. Doch die Versicherungswirtschaft hat eine umfangreiche Systematik eingeführt, um übergreifend Risiken zu bewerten und entsprechend unterschiedliche Kfz-Versicherungsbeiträge für die Haftpflicht oder die verschiedenen Kaskoversicherungen abzuleiten:

  • Typklasse
  • Regionalklasse
  • Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) oder Schadensfreiheitsrabatt

Typklasse und Regionalklasse kurz erklärt

Während Sie auf die Schadenfreiheitsklasse direkten Einfluss haben, indem Sie Jahr um Jahr unfallfrei fahren, so Ihre SF-Klasse steigern und immer mehr Schadensfreiheitrabatt erhalten, sind Sie bei Regional- oder Typklasse abhängig von den Schadensfällen anderer Versicherter. Diese beiden Klassen bilden sich aus der Schadenshäufigkeit, -art und -höhe bei einem bestimmten Fahrzeugmodell oder in einer Region. Jeder einzelne Unfall und andere Schäden wie Kfz-Diebstähle, die der jeweiligen Versicherung gemeldet werden, fließen dabei in eine jährliche Schadensstatistik der Versicherungswirtschaft ein. Auf Grundlage dieser Statistik aus den letzten drei Jahren passen die Versicherer immer wieder im Herbst dann Regional- und Typklassen an. Hohes Risiko führt zu einer hohen Klasse und damit höheren Versicherungsbeiträgen.

Gerade erst im September 2021 wurden neue Regionalklassen für die etwa 400 Zulassungsbezirke in Deutschland veröffentlicht. Abseits von einzelnen Verschiebungen bestätigte sich dabei wieder dieser Grundsatz: In den allermeisten Großstädten werden Sie bei Haftpflicht oder Teil- und Vollkasko in den höchsten Regionalklassen eingestuft. Wohnen Sie in einer kleineren Stadt oder auf dem Land, genießen Sie zumeist den Vorzug einer der unteren Regionalklassen. Auch bei den Typklassen gibt es solche Faustregeln. So sind zum Beispiel Fahrzeuge aus der Oberklasse oder SUVs bei der Kaskoversicherung durchwegs in den höchsten Typklassen zu finden. Ein Kaskoschaden wird hier immer entsprechend teuer. Die bei Fahranfängern beliebten Einsteigerautos stehen dagegen in den Typklassen der Haftpflichtversicherung weit oben, weil sie vermehrt in Unfälle verwickelt sind. Dabei sind sehr feine Abstufungen möglich, denn das Typklassen-System ist umfangreich.

Diese Typklassen gibt es

  • Die Kfz-Haftpflichtversicherung umfasst 16 Typklassen von 10 bis 25.
  • In der Teilkaskoversicherung sind es 24 Typklassen von 10 bis 33.
  • Die Vollkaskoversicherung hat sogar 25 Typklassen von 10 bis 34.

In der Typklasse 10 finden Sie durch die Bank praktisch nur Oldtimer. Diese werden von ihren Besitzern zum einen nur sehr selten und dann voller Vorsicht gefahren. Aktuelle Serienmodelle mit niedriger Einstufung und damit günstiger Versicherung 2022 sind beispielsweise

  • der Opel Corsa-E 1.4,
  • der Skoda Citigo-E oder
  • der VW T-Cross 1.0 TSI.

Aber schon diese Autos sind in Haftpflichtklassen von 12 bis 17 oder Kaskoklassen von 15 bis 17 eingestuft. Autos wie

  • der Range Rover Velar 2.0D AWD oder
  • ein BMW M5 xDrive,
  • Teslas Model X,
  • aber auch Exoten wie der SsangYong Rexton 2.2 Diesel

reizen die Typklassen mit Einstufungen bei der Haftpflicht von 20 bis 23 und in der Kaskoversicherung bis 32 praktisch voll aus. Damit auf den Autokauf nicht eine böse Überraschung folgt, wenn die erste Versicherungsrechnung in der Post liegt, lohnt es sich, vorher auf die Typklassen eines Fahrzeugs zu achten. Dabei hilft Ihnen online schnell die Typklassen-Datenbank der Versicherer. Hier sehen Sie außerdem sofort, ob sich die Typklasse Ihres Fahrzeugs 2022 ändert und können schon einmal grob mit niedrigeren oder höheren Versicherungsbeiträgen kalkulieren.

Typklassen 2022: Das ändert sich für Sie

Mit großer Wahrscheinlichkeit bleibt Ihr Auto auch im nächsten Jahr in der gleichen Typklasse wie 2021:

  • Für etwa 75 Prozent der Automobilbesitzer ändert sich bei der Haftpflichtversicherung nichts und zumindest an diesem Punkt ist nicht mit höheren Versicherungsbeiträgen zu rechnen.
  • Etwa 4,3 Millionen Automodelle erhalten hier 2022 sogar eine bessere Typklasse.
  • Am Ende müssen aber auch 7 Millionen Fahrzeughalter wegen einer höheren Typklasse-Einstufung mit steigenden Kosten bei der Haftpflichtversicherung rechnen.

Verbesserungen gibt es 2022 vor allem im Bereich der Kleinwagen bis hinein in die Mittelklasse - Beispiele:

  • Fahren Sie einen Kia E-Niro (Typschlüssel 8253-AIB) wird es bei Haftpflicht wie bei der Kaskoversicherung günstiger. Die Haftpflichtklasse sinkt auf 18, die für die Teilkasko auf 19 und die der Vollkasko auf 22.
  • Ein Opel Kombo-E Life 1.2 (Typschlüssel 1844-AHI) bleibt zwar in der Haftpflicht-Typklasse unverändert bei 18, sinkt dafür aber in den Typklassen für Teil- und Vollkasko auf 17 beziehungsweise 19.
  • Die Limousine Peugeot 508 SW 2.2 HDI (Typschlüssel 3003-ANJ) bekommt mit den Typklassen 19 und jeweils 24 – Haftpflicht, Teil- und Vollkasko – ebenfalls niedrigere Typklassen und liegt nun überall im Mittelfeld der Einstufung.
  • Besitzen Sie einen VW E-Golf VII (Typschlüssel 0603-CBP), fahren Sie in der Haftpflicht-Typklasse 11 sogar fast auf günstigem Oldtimer-Niveau. Mit 17 und 20 bleiben die Teil- und Vollkasko-Klassen daneben moderat.

Teurer wird es andererseits bei diesen Autos:

  • Der als Geschäfts- wie Privatfahrzeug viel genutzte BMW 530d Touring (Typschlüssel 0005-COS) wird in der Haftpflicht- wie Vollkasko-Typklasse mit neuen Einstufungen von 16 und 27 teurer.
  • Ähnlich steigen auch die Typklassen für das Mercedes-Benz E 220D Coupé (Typschlüssel 1313-GXK). In der Haftpflicht geht es rauf auf 18, bei der Vollkasko gilt 2022 die Typklasse 28.
  • Aber auch mit einem beliebten Kleinwagen wie dem Renault Zoe (Typschlüssel 3333-AZX) wird es nun teurer. Viele verkaufte Autos haben die Schadenshäufigkeit erhöht und so fährt der Zoe 2022 in der höheren Typklasse 17 bei Haftpflicht und Vollkasko.

Insgesamt betrachtet gibt es die meisten Veränderungen und vor allem Verschlechterungen der Typklassen im Bereich der Haftpflichtversicherung:

  • Knapp 20 Prozent der Fahrzeughalter sind betroffen.
  • Bei Vollkaskoversicherungen sind es nur es etwa drei Prozent und in der Teilkasko auch nur um die vier Prozent, die mehr für Ihre Autoversicherungen bezahlen müssen.
  • Circa 40 Prozent der Vollkaskoversicherungen und etwa jede dritte Teilkaskoversicherung werden durch bessere Typklassen auf der anderen Seite sogar günstiger.

Zusammengefasst: So viel kostet oder spart eine Typklassenänderung 2022

Zumeist verschieben sich die Typklassen in der Haftpflicht- oder Kaskoversicherung nur um eine oder zwei Stufen. Am Ende sinkt oder steigt der Versicherungsbeitrag allein aus diesem Grund um durchschnittlich zehn Prozent. Eine eher außergewöhnliche Neueinstufung um drei, vier oder fünf Typklassen führt jedoch schnell zu einem bis zu 30 Prozent höherem oder niedrigerem Versicherungsbeitrag. Diesen berechnen zwar alle Versicherer mit identischen Regional- oder Typklassen, aber dennoch kann sich ein Versicherungsvergleich und -wechsel immer lohnen. Und wenn Ihr Versicherungsvertrag seit dem 01. Januar eines Jahres läuft, können Sie jeweils zum Stichtag 30. November problemlos zu einem günstigeren Autoversicherer wechseln.

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