Keine Angst vor Altersarmut: So sorgen Sie richtig vor

Viele Deutsche haben Angst vor der Altersarmut. Besonders junge Menschen und Berufseinsteiger haben schlechte Aussichten. Und obwohl ein Großteil der Deutschen sich darüber bewusst ist, dass eine große Versorgungslücke auf sie wartet, handeln die wenigsten.

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  • 12.06.2018
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Goldenes Sparschwein
© QuinceMedia/pixabay.com

Aufgrund des demografischen Wandels beziehen immer mehr Menschen Rente, während im Verhältnis immer weniger in die Rentenkasse einzahlen. Die Folge: Das Rentenniveau sinkt. Gleichzeitig nimmt die Steuerbelastung für Rentner zu. Wer im Jahr 2018 in Rente geht, muss für 76 Prozent der Beiträge Steuern zahlen. Bis zum Jahr 2040 werden gesetzliche Renten vollständig besteuert.

Privat vorsorgen: Das sind die Möglichkeiten

Die gesetzliche Rente wird in Zukunft kaum noch zum Erhalt des Lebensstandards ausreichen. Privat vorzusorgen ist deshalb wichtiger denn je. Wer zusätzlich für das Alter sparen möchte, hat viele Möglichkeiten. Welchen Weg Sie gehen, sollten Sie sowohl von Ihrer finanziellen Situation als auch von der weiteren Lebensplanung abhängig machen.

Überblick

Mit Förderung: Betriebliche Altersvorsorge (bAV), Rürup-Rente (für Selbstständige), Riester-Verträge (für Arbeitnehmer)

Ohne Förderung: Rentenversicherung, Lebensversicherung, Aktien-Fondssparplan

Fragen, die Sie sich stellen müssen

Um sich für eine Variante der privaten Altersvorsorge zu entscheiden, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was zu Ihrer Lebenslage passt. Entscheidende Fragen sollten im Vorfeld geklärt werden: Wie hoch ist Ihre Risikobereitschaft? Wie gut wird das Geld verzinst? Gibt es Steuervorteile oder Förderungen? Was können Sie sich leisten? Wie viel Geld brauchen Sie im Alter? Wie hoch ist die Rentenlücke, die Sie schließen müssen?

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Rentenlücke berechnen

Viele Menschen wissen überhaupt nicht, mit wie viel Rente sie später rechnen können. Dabei hängt die ganze Planung für die private Altersvorsorge von diesem Wissen ab. Welche Bezüge Sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten, steht in Ihrem Rentenbescheid. Angenommen, Sie können eine Rente von 1.200 Euro erwarten und haben ausgerechnet, dass Sie im Alter monatlich 1.500 Euro zur Verfügung haben möchten. Dann beträgt die zu schließende Rentenlücke 300 Euro. Wenn Sie mit 67 Jahren in Rente gehen, 90 Jahre alt werden und mit 40 Jahren anfangen zu sparen, müssen Sie monatlich ungefähr 255 Euro zurücklegen (23 Jahre Ruhestand * 300 Euro Rentenlücke / 27 Spar-Jahre).
Hierbei handelt es sich um eine vereinfachte Rechnung, die noch von anderen Faktoren beeinflusst werden kann. Dazu gehören zum Beispiel Inflation, Renten- und Lohnschwankungen oder berufliche Unterbrechungen. Dennoch bietet sie einen Anhaltspunkt, an dem Sie sich für die weitere Planung orientieren können.

Vorsorgen mit staatlicher Förderung

Wer privat für das Alter vorsorgen möchte, kann gleichzeitig von staatlichen Förderungen profitieren. Sowohl die betriebliche Altersvorsorge als auch Riester- und Rürup-Renten sollen Sparern unter die Arme greifen.

Die betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) wird in Abstimmung mit dem Arbeitgeber abgeschlossen. Es gibt sowohl die arbeitgeberfinanzierte bAV als auch die staatlich geförderte arbeitnehmerfinanzierte bAV. Bei Ersterer spart der Arbeitgeber für die Betriebsrente seiner Angestellten an. Bei der arbeitnehmerfinanzierten bAV zahlt der Arbeitnehmer die Beiträge von seinem Bruttogehalt, wobei er Steuern und Sozialabgaben spart. Welche Form der betrieblichen Altersvorsorge infrage kommt, entscheidet in der Regel Ihr Chef. Es ist auch möglich, eine Kombination zu vereinbaren.

Bietet der Arbeitgeber an, die bAV zu finanzieren, können Sie das Angebot annehmen, ohne groß darüber nachzudenken. Für die spätere Rente werden zwar Einkommenssteuer und volle Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung fällig. Dafür erhalten Sie aber eine Rente, für die Sie selbst nichts zahlen mussten. Die Beiträge aus dem eigenen Bruttogehalt zu finanzieren, sollten Sie sich jedoch gut überlegen. Oft lohnt sich das nur, wenn der Arbeitgeber bereit ist, einen Teil beizusteuern. Dieser sollte mindestens 20 Prozent betragen, damit sich die bAV lohnt. Anders kann die Belastung im Alter durch Steuern und Sozialabgaben für gewöhnlich nicht aufgefangen werden.

Scheuen Sie sich nicht davor, mit Ihrem Chef in die Verhandlung zu gehen. Die bAV kann auch eine Alternative zur Gehaltserhöhung sein. Falls eine Lohnerhöhung ansteht, sollten Sie nach einer entsprechenden Vereinbarung fragen. Der Arbeitgeber kann eine betriebliche Altersvorsorge abschließen oder etwas dazu zahlen. Für ihn ergeben sich daraus nämlich ebenfalls Vorteile. Er spart Einkommenssteuer und Sozialabgaben.



Die Rürup-Rente

Die Rürup-Rente, auch Basisrente genannt, eignet sich für Selbstständige, die gut verdienen und weder Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung noch des berufsständischen Versorgungswerks sind. Doch auch wer schon anders vorsorgt, kann seine Rente mit einem Rürup-Vertrag aufstocken. Rürup-Verträge gibt es als klassische und fondsgebundene Rentenversicherung oder als Fondssparpläne.

Die staatliche Förderung erfolgt nicht über Zuschüsse, sondern durch Steuervorteile. Die Beiträge können als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer abgesetzt werden. Diesen Vorteil gibt es bei einer nicht geförderten privaten Rentenversicherung nicht. Mit wie viel Steuererstattung Sie rechnen können, hängt vom zu versteuernden Einkommen und vom Steuersatz ab. Je mehr Sie verdienen, desto größer ist auch Ihr Steuervorteil. Dieser gilt allerdings nur für die Ansparphase. Für die spätere Rente werden Steuern fällig.

Die Rürup-Rente funktioniert in einem wichtigen Punkt wie die gesetzliche Rentenversicherung: Sparer können nicht frei auf Ihr Geld zugreifen. Versicherer zahlen das angesparte Kapital immer in Form einer lebenslangen Rente aus und nicht als Einmalzahlung.

Achtung: Rürup-Verträge können nicht gekündigt werden. Wollen Sie die vereinbarten Beitrage irgendwann nicht mehr zahlen, können Sie sie entweder auf einen Mindestbetrag reduzieren oder den Vertrag beitragsfrei stellen. Nehmen Sie dazu einfach Kontakt zum Anbieter auf und fragen Sie nach einer Lösung.



Die Riester-Rente

Die Riester-Rente ist eine weitere Möglichkeit, staatliche Förderungen für die Altersvorsorge zu nutzen. Dazu müssen jährlich 4 Prozent des Bruttoeinkommens (maximal 2.100 Euro) in einen Riester-Vertrag eingezahlt werden. Vorrangig sind Riester-Verträge für Arbeitnehmer interessant. Doch auch Beamte, erwerbslose Ehepartner, Auszubildende und einige Selbstständige können riestern. Es gibt verschiedene Formen von Riester-Verträgen. Für alle gilt: Was Sie einzahlen, ist Ihnen am Rentenbeginn als lebenslange Rentenzahlung sicher. Hinzu kommen Zulagen, die der Staat gewährt.

Jeder Riester-Sparer erhält vom Staat eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr. Familien mit Nachwuchs erhalten sogar noch mehr. Für jedes Kind, das vor 2008 geboren ist, gibt es 185 Euro pro Jahr. Für später geborene Kinder belaufen sich die jährlichen Zulagen auf 300 Euro. Ein Elternteil von zwei Kindern, die nach 2008 geboren sind, erhält also 775 Euro im Jahr geschenkt (Stand 2018).

Auch wenn Sie keine Kinder haben, können Sie profitieren. Dann erhalten Sie zwar nur die Grundzulage, genießen aber zusätzlich Steuervorteile. Die Riester-Beiträge, die Sie zahlen, können Sie komplett (maximal 2.100 Euro) von der Steuer absetzen.

Riestern lohnt sich daher besonders für Geringverdiener mit vielen Kindern und für kinderlose Besserverdiener. Für verheiratete Paare mit unterschiedlich hohen Einkommen wird es interessant, wenn der Geringverdiener die Zulagen für die Kinder beantragt und der Besserverdiener sich die Steuervorteile zunutze macht.

Riester-Rente: So finanziert der Staat Ihre Altersvorsorge

Riester-Arten

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen und genau wissen wollen, wie viel Rente Sie später bekommen, eignet sich die klassische Riester-Rentenversicherung. Hier zahlen Sie monatlich Beiträge ein und erhalten ab dem Rentenbeginn eine garantierte Zusatzrente. Aber Achtung: Vertrag ist nicht gleich Vertrag. Es ist entscheidend, dass Sie ein günstiges Angebot finden. Lassen Sie sich deshalb unbedingt beraten und schlagen Sie nicht bei der erstbesten Gelegenheit zu.

Legen Sie hingegen Wert auf Flexibilität, bietet sich unter Umständen ein Riester-Banksparplan an. Hierbei handelt es sich um einen vom Staat geförderten Sparvertrag. Es fallen keine teuren Abschlusskosten an. Der Riester-Banksparplan gilt deshalb auch als die einfachste und günstigste Riester-Form. Die Beiträge werden variabel verzinst und Sparer können jederzeit auf ihr Guthaben zugreifen, zum Beispiel um ein Eigenheim zu finanzieren.

Ein Riester-Fondssparplan ist für Sparer interessant, die nicht nur Rendite aus den Zulagen herausholen wollen, sondern auch aus der Geldanlage selbst. Ein Teil der Beiträge wird in Aktienfonds investiert. In Zeiten der niedrigen Zinsen sind Riester-Fondssparpläne allerdings wenig beliebt.

Bei der fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung werden Beiträge, ähnlich wie bei der klassischen Riester-Rentenversicherung, zunächst sicher angelegt. Überschüsse können dann in Fonds investiert werden. Hier sind allerdings die Anlagechancen geringer als beim Fondssparplan und die Kosten sind in der Regel hoch.

Um eine Immobilie als Altersvorsorge zu nutzen, können Sparer entweder einen Riester-Bausparvertrag oder Wohn-Riester abschließen. Beim Bausparvertrag sparen Anleger zunächst ein Guthaben an, das dann als Eigenkapital für eine Immobilie dient. Danach besteht Anspruch auf ein Zinsgünstiges Darlehen. Während der Ansparphase wird das Guthaben meist geringer verzinst als bei anderen Riester-Formen. Im Zuge des Bausparvertrags kann das Darlehen auch als Wohn-Riester abgeschlossen werden. Bei Wohn-Riester wird kein Geld auf einem Konto angespart. Die staatlichen Förderungen werden vielmehr vom Kreditgeber auf die Tilgungszahlungen angerechnet. Im Vergleich zu einem gewöhnlichen Baukredit ist Wohn-Riester daher in der Regel günstiger. Wohn-Riester lässt sich auch abschließen, wenn vorher kein Riester-Bausparvertrag besteht.



Vorsorgen ohne staatliche Förderung

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, ohne staatliche Förderung vorzusorgen. Hierbei sollten Sparer vor Abschluss einer Versicherung besonders darauf achten, dass die Abschlusskosten nicht zu hoch sind und die Rendite stimmt.

Rentenversicherung & Kapitallebensversicherung

Die private Rentenversicherung hat den Vorteil, dass Sparer genau ausrechnen können, wie viel Rente sich daraus später ergibt. Wer beispielsweise 35 Jahre lang 100 Euro im Monat einzahlt, kann daraus die monatliche Rente genau berechnen. Allerdings ist diese Art der Vorsorge in Zeiten niedriger Zinsen nicht besonders lohnenswert. Gleiches gilt für die Kapitallebensversicherung. Ein Neuabschluss lohnt sich derzeit kaum. Aber Achtung: Wer bereits eine Lebensversicherung abgeschlossen hat und Probleme damit hat, die monatlichen Raten zu bezahlen, sollte die Versicherung nicht einfach kündigen. Denn für die frühzeitige Kündigung fallen Kosten an, sodass Sparer mit Verlusten rechnen müssen. Nehmen Sie lieber Kontakt mit dem Anbieter auf, um eine Lösung zu finden. Sie können die Beiträge entweder stunden oder aus Überschüssen bezahlen. Außerdem können Sie die Versicherung beitragsfrei stellen oder sogar verkaufen.



Bei niedrigen Zinsen und ohne Förderung kann sich am ehesten noch eine Netto-Rentenversicherung lohnen. Diese können Sparer zu günstigen Konditionen kaufen. Das Honorar für die Vermittlung zahlt der Sparer einmalig und direkt.

Sparplan mit Aktien-Indexfonds

Wer unabhängig von einer Versicherung fürs Alter sparen möchte, kann sein Geld in einen Fondssparplan investieren. Mit gewissen monatlichen Beträgen kauft der Sparer Anteile an Fonds und kann somit über einige Jahre Vermögen aufbauen. Ein Fondssparplan eignet sich besonders für diejenigen, die viel Wert auf Flexibilität legen. Sie können jederzeit über Ihr Geld verfügen und relativ frei entscheiden, wie viel Sie einzahlen. Die Verwaltungskosten halten sich ebenfalls in Grenzen. Bei einigen Banken lässt sich ein kostenloses Wertpapierdepot einrichten.

Investmentfonds: Der Wachstumstrick für Ihr Geld

Wer in günstige ETFs (Aktien-Indexfonds) investiert, hat die Chance auf gute Rendite und geht nur wenige Risiken ein. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: Erstens sollte der ETF, um das Risiko zu streuen, Aktien verschiedener Unternehmen beinhalten. Zweitens ist es wichtig, über einen langen Zeitraum anzulegen, damit kurzfristige Marktschwankungen keinen maßgeblichen Einfluss haben. Sie sollten außerdem genau wissen, wann Sie das Geld benötigen. Dann können Sie es nach und nach in sichere Anlagen verschieben.

Sparer sollten diese Variante im Vorfeld sehr gut durchdenken. Denn das Risiko tragen sie, anders als bei einer Versicherung, allein. Außerdem fallen auf Kapitalerträge Steuern an, die unbedingt in die Kalkulation einbezogen werden müssen.

Entscheidung bleibt individuell

Es gibt also viele Wege, die zur Schließung der Rentenlücke führen können. Welcher der richtige für Sie ist, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Sowohl finanzielle Lage als auch weitere Lebensplanung müssen in die Entscheidung einfließen. Am besten machen Sie sich Gedanken um die eingangs gestellten Fragen und lassen sich dann beraten. Es lohnt sich, Angebote verschiedener Anbieter einzuholen und zu vergleichen.


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