Gesundheitsfragen: So gehen Sie nicht in die Falle

Die meisten Versicherungen graben tief. Wer eine Police abschließen möchte, muss sich im Vorfeld oft mit Gesundheitsfragen herumschlagen. Wenn einem die Versicherung ein Loch in den Bauch fragt, möchte man sich am liebsten verkriechen.

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  • 09.05.2018
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Checkliste
© TeroVesalainen/pixabay.com

Das Herumbohren kann nicht nur lästig sein, sondern auch zum Verhängnis werden. Oft steht viel Geld auf dem Spiel. Wenn es um Versicherungen rund um Unfall, Krankheit und Leben geht, ist der richtige Umgang mit Gesundheitsfragen elementar. Und er zahlt sich aus.

Ein Universum aus Fragen und viele schwarze Löcher

Viele Menschen möchten sich für den Ernstfall wappnen. Dabei geht es oft um Policen, die zum Beispiel finanzielle Probleme durch Berufsunfähigkeit oder Todesfälle absichern sollen. So einfach, wie das zunächst klingt, ist es nicht immer. Bevor eine Versicherung abgeschlossen wird, möchten die meisten Anbieter das Risiko des Interessenten abschätzen. Hierzu dienen die Gesundheitsfragen. Von ihnen hängt ab, ob der Interessent einen Tarif abschließen kann und zu welchen Konditionen. Das eingeschätzte Risiko wirkt sich maßgeblich auf die Beiträge aus, die Sie monatlich zahlen müssen. Sie sollten also gut über den Fragen-Kosmos Bescheid wissen.



Das Wichtigste zuerst: Alle Fragen müssen ehrlich und vollständig beantwortet werden. Wer falsche oder unzulängliche Angaben macht, riskiert seinen Versicherungsschutz. Der jeweilige Anbieter kann die Zahlung verweigern. Am Ende haben Sie also nichts gewonnen, wenn Sie bei den Gesundheitsfragen schummeln.

Die Schwierigkeit: Selbst wenn Sie nicht bewusst lügen, lügen Sie. Wer eine Frage falsch versteht und darauf im Prinzip ehrlich antwortet, hat unter Umständen keinen Anspruch auf den Versicherungsschutz. Viele Fragen sind kompliziert formuliert und schwer zu verstehen.

Der Trick: Achten Sie vor Abschluss einer Versicherung darauf, wie kundenfreundlich der Anbieter ist. Suchen Sie im Internet nach Bewertungen und schauen Sie sich unterschiedliche Formulare an. Je konkreter die Fragen, desto besser. Fragt eine Versicherung speziell nach Krankheiten, Behandlungen und Unfällen, ist das ein gutes Zeichen. Wenn eher allgemeine Informationen zu Beschwerden erfragt werden, kann es zu Missverständnissen kommen. Soll der Antragsteller Auskunft über „Beschwerden der Atmungsorgane“ geben, wird er verunsichert sein, ob ein leichter Husten schon relevant ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich von einem unabhängigen Versicherungsberater gegen Honorar helfen lassen oder den Arzt um Unterstützung bitten.

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Wenn Sie dennoch Schwierigkeiten haben, bestimmte Fragen zu beantworten, fragen Sie bei dem Versicherer nach. Die Antwort sollten Sie sich schriftlich geben lassen, um auf der sicheren Seite zu sein. Darüber hinaus empfiehlt es sich, im Vorfeld eine partielle Schweigepflichtentbindung zu vereinbaren. Normalerweise unterliegt Ihr Arzt der Schweigepflicht. Sobald Sie einen Vertrag mit der Versicherung eingehen, befreien Sie den Arzt jedoch davon. Dem können Sie mit der partiellen Schweigepflichtentbindung entgegenwirken. Die Versicherung benötigt dann für jede ärztliche Auskunft Ihre Einwilligung.

Kein Schlupfloch für falsche Angaben

Versicherungen dürfen so gut wie alles fragen. Und Kunden müssen wahrheitsgetreu antworten. Machen Sie sich keine Illusionen: Lügen, ohne dass es auffällt? Daraus wird nichts. Auch wenn Versicherungen zunächst den Antrag annehmen, früher oder später kommen falsche Angaben zutage. Die Folgen können fatal sein. Denn die Versicherung kann nicht nur die Zahlung verweigern, sondern auch den Vertrag anfechten. Dann muss der Kunde im schlimmsten Fall bereits erhaltene Leistungen erstatten oder nachträglich Risikozuschläge zahlen. Dies kann zu enormen finanziellen Problemen führen.

Das Portemonnaie nicht löchern lassen

Gesundheitsfragen können den Geldbeutel beschädigen wie Motten Ihre Kleidung. Damit Sie sich keine undichten Stellen einhandeln, sollten Sie gewisse Vorkehrungen treffen.

Sobald Sie von der Versicherung Leistungen fordern, etwa weil Sie berufsunfähig geworden sind, prüft diese Ihre bei Vertragsabschluss gemachten Angaben. Versicherungen können bei Ärzten, anderen Versicherern oder Krankenkassen Informationen anfordern, um die Richtigkeit Ihrer Angaben sicherzustellen.

Berufsunfähigkeit und finanzieller Ruin: Es kann jeden treffen

Da zur Risikoprüfung unter anderem vergangene Untersuchungen, Behandlungen, Klinikaufenthalte und Krankschreibungen wichtig sind, sollten Sie bereits vor Vertragsabschluss die entsprechenden Ärzte und Einrichtungen kontaktieren. Berücksichtigen Sie dabei alle relevanten Ärzte und achten Sie darauf, ob falsche oder unbekannte Diagnosen in Ihren Patientenakten stehen. Die Krankenkasse kann dabei behilflich sein, Gesundheitsdaten zusammenzutragen. Sie gibt in der Regel Patientenquittungen der letzten 18 Monate aus. Kassenärztliche Vereinigungen können Daten der vergangenen fünf Jahre zur Verfügung stellen. Geben Sie bei der Versicherung aber nicht alle Informationen an. Meistens werden nur bestimmte Zeiträume abgefragt. Auch wenn Sie könnten: Geben Sie nicht mehr preis als verlangt wird.



Sehen Sie die Unterlagen genau durch. Hat Ihr Arzt womöglich den Verdacht auf eine Krankheit notiert, der sich im Nachhinein als nichtig herausgestellt hat? Oder wurde einmal eine falsche Diagnose gemacht? Solche vermeintlichen Kleinigkeiten können ausschlaggebend dafür sein, ob Ihre Versicherung leistet oder nicht. Liegt eine Falschdiagnose vor, können Sie den Arzt bitten, sie zu korrigieren. Weigert er sich, suchen Sie einen anderen Arzt auf, der Sie erneut untersucht und gegebenenfalls eine Korrektur vornimmt.

Wenn Sie vor dem Abschluss einer Versicherung im Bereich Leben, Beruf und Gesundheit die nötige Sorgfalt einhalten, werden Sie sich selbst danken. Denn Vorsicht ist besser als Nachsicht – und viel günstiger.


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