Nebenjob: Welche Optionen sind möglich und was lohnt sich?

Immer mehr Menschen arbeiten auch nebenberuflich – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Doch je nach Art der Nebenbeschäftigung sind unterschiedlich hohe Abgaben zu leisten. Welcher Art diese sind und worauf Sie bei der Art der Beschäftigungswahl achten sollten, erläutern wir Ihnen im folgenden Beitrag.

  • Lesezeit ca. 3:30 Minuten
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  • 13.03.2020
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Kellnerin im Restaurant/Café
© LuckyLife11/pixabay.com

Ob als Zuverdienst zum Hauptberuf oder aber um die staatliche Rente etwas aufzubessern – viele Menschen hierzulande gehen einer bezahlten Nebentätigkeit nach. Nach Angaben der Agentur für Arbeit hatten Anfang 2019 ganze 3,4 Millionen Arbeitnehmer zwei oder mehr Jobs. Und die Anzahl der Betroffenen steigt seit Jahren. Rentner, die sich lediglich etwas dazu verdienen möchten, sind in dieser Statistik gar nicht einbezogen.

Zweitjob ist nicht gleich Zweitjob

Dabei existieren ganz unterschiedliche Arten von Nebenjobs, die Ihnen als Betroffener bzw. Interessent möglich sind. Dazu gehören für Arbeitnehmer in erster Linie:

  • 450-Euro-Job (Minijob),
  • Saison- oder Aushilfstätigkeit,
  • Nebenjob mit einem Bruttoeinkommen ab 450 Euro oder die
  • selbstständige nebenberufliche Tätigkeit

Je nachdem, welcher Art der Nebentätigkeit Sie nachgehen unterliegen Sie unterschiedlich hohen Abgaben. Sowohl in steuerlicher Hinsicht als auch hinsichtlich eventueller Sozialabgaben. Allein von der Höhe des in Aussicht gestellten Bruttolohns sollten Sie sich deshalb nicht leiten lassen. Denn womöglich kann ein niedrigerer Bruttolohn ein höheres Einkommen bedeuten als ein vermeintlich lukrativerer Nebenjob. Klären Sie in jedem Fall zunächst ab, wie viel vom Brutto letztendlich netto für Sie übrigbleibt.

Minijobber haben finanzielle Vorteile

Üben Sie einen sogenannten Minijob aus, profitieren Sie von finanziellen Vorteilen. Denn in diesem Fall können Sie Ihren Lohn in Höhe von maximal 450 Euro monatlich praktisch in voller Höhe behalten. Die Angabe der Einnahmen in der jährlichen Steuererklärung ist zudem nicht erforderlich. Folglich sind auch keine nachträglichen Steuern zu entrichten. Auswirkungen auf den Lohn Ihrer Hauptbeschäftigung ergeben sich ebenfalls nicht. Abzüge in Form von Sozialabgaben fallen im Rahmen eines solchen Minijobs ebenfalls nicht an.

Voraussetzung für einen 450-Euro-Job ist allerdings, dass Ihr Arbeitgeber eine Pauschalversteuerung Ihres Lohns in Höhe von (überschaubaren) zwei Prozent vornimmt und seinerseits Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung abführt. Der Gesetzgeber sieht vor, dass Sie bei Ausübung eines Minijobs lediglich die anteiligen Eigenbeiträge zur Rentenversicherung selbst tragen. Allerdings können Sie sich von dieser Pflicht befreien lassen. Führen Sie die Beiträge ab, kommt dies andererseits Ihrer späteren Altersrente zugute.



Job ab 450 Euro brutto meist schlechter

Für Arbeitnehmer mit einer Haupttätigkeit sind Zusatzeinkünfte über 450 Euro dagegen häufig die finanziell schlechtere Lösung. Denn in diesem Fall kann es schnell dazu kommen, dass die in diesem Fall vollständig fälligen Sozialabgaben zu einem deutlich niedrigeren Nettoverdienst führen. Das Ihnen verbleibende Einkommen ist in diesem Fall womöglich nur geringfügig höher als es bei Nutzung eines Minijobs wäre – und das bei entsprechender Mehrarbeit.

Wie groß der Unterschied letztendlich ausfällt, hängt allerdings von Ihrer individuellen steuerlichen Situation ab. Prüfen Sie bei einem Bruttolohn ab 450 Euro vorab also unbedingt genau, wie viel Ihnen netto tatsächlich bleibt. Im Zweifel sollten Sie „nur“ im Rahmen eines Minijobs arbeiten. Denn dabei profitieren Sie höchstwahrscheinlich von einem angemessenen Verhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Entlohnung.

Nebenberufliche Selbstständigkeit als Alternative

Eine ebenfalls häufig genutzte Alternative ist das Nebengewerbe auf selbstständiger Basis. Diese Lösung ist vor allem dann vorteilhaft, wenn Sie keinen Arbeitgeber haben, der Sie auf Minijob-Basis beschäftigen möchte oder kann. Auch wenn Sie für unterschiedliche Unternehmen nebenberuflich tätig sind, bietet sich diese Form des Nebenerwerbs an.

Die Vorteile: Bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit fallen keinerlei Kosten in Form von Krankenkassenbeiträgen an. Rentenversicherungsbeiträge werden nur in einigen wenigen Branchen fällig (zum Beispiel Lehrer und Handwerker).

Lediglich mit der regulären Steuerbelastung müssen Sie rechnen, wobei Jahreseinnahmen bis zu 410 Euro komplett steuerfrei sind. Darüberhinausgehende Gewinne müssen Sie als Einnahmen in der Steuererklärung angeben – mit den entsprechenden steuerlichen Auswirkungen. Erzielen Sie einen Jahresumsatz von maximal 22.000 Euro, unterliegen Sie zudem der sogenannten Kleinunternehmerregelung und müssen daher keine Umsatzsteuer abführen. Eine einfache Einnahmen- und Überschussrechnung genügt Ihrem Finanzamt in diesem Fall aus. In diesem Zusammenhang können Sie optional eine Betriebsausgabenpauschale ansetzen, die Ihnen das mühsame Auflisten einzelner Kostenpositionen erspart.



Was der Nebenjob bringen kann

Die Stiftung Warentest nutzt vier Beispiele, die die Verdienstmöglichkeiten und Abzüge verschiedener Nebenjob-Modelle veranschaulichen:

  • Arbeitnehmerin mit Lebensgefährten und zwei jungen Kindern
  • Einkommen im Hauptberuf: 2.200 Euro brutto / 1.547 Euro netto
  • Krankenkassenbeitrag: 15,5 Prozent
  • Steuerklasse 1

Möglichkeit 1: „Minijob“ bis 450 Euro

  • Bruttoverdienst: 450 Euro im Monat
  • Abzüge: keine
  • Bemerkung:
    pauschale Steuer von 2 Prozent (Arbeitgeber)
    Abführung von Sozialbeiträgen (Arbeitgeber)
  • Fazit: 450 Euro netto im Monat

Möglichkeit 2: Nebenjob mit Verdienst größer 450 Euro

  • Bruttoverdienst: 700 Euro im Monat
  • Abzüge: 79 Euro Steuern im Monat, 138 Euro Sozialabgaben im Monat
  • Bemerkung:
    Versteuerung im Rahmen der Steuererklärung
  • Fazit: 483 Euro netto pro Monat

Möglichkeit 3: Saisonaler, zeitlich begrenzter Aushilfsjob mit Verdienst größer 450 Euro

  • Bruttoverdienst: 700 Euro im Monat
  • Abzüge: 194 Euro Steuern im Monat
  • Bemerkung:
    Versteuerung im Rahmen der Steuererklärung
  • Fazit: 506 Euro netto im Monat

Möglichkeit 4: Nebenberufliche Selbstständigkeit

  • Bruttoverdienst: 4.500 Euro im Jahr
  • Abzüge: 1.614 Euro Steuern im Jahr
  • Bemerkung:
    Versteuerung im Rahmen der Steuererklärung
  • Fazit: 240,50 Euro netto im Monat

Quelle: test.de

Besondere Regeln für Rentner

Sollten Sie sich bereits im Ruhestand befinden, gelten womöglich besondere Regelungen für einen Zuverdienst per Nebenjob. Sind Sie beispielsweise bereits vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter verrentet worden, gilt für den Zuverdienst eine Grenze in Höhe von 6.300 Euro pro Jahr. Überschreiten Sie diese, wird Ihre Altersgrenze gekürzt.

Gleiches gilt, falls Sie eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten. Bei Erhalt einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gilt eine individuelle Grenze, deren Höhe sich an Ihrem vorherigen Einkommen orientiert. Bei Bezug von Hinterbliebenenrenten gelten monatliche Freibeträge in Höhe von 870 Euro (West) bzw. 840 Euro (Ost).

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