Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Alle Jahre wieder geht es im Januar vielen Girokonten an den Kragen. Denn zu Beginn des Jahres buchen Versicherungen die Jahresbeiträge von den Konten ihrer Kunden ab. Für Versicherte ist das eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick zu verschaffen, auszumisten und viel Geld zu sparen.

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  • 04.01.2019
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Frau ist ratlos
© RobinHiggins/pixabay.com

Wer einmal alle wichtigen Versicherungen abgeschlossen hat, beschäftigt sich anschließend kaum noch damit. Der Beitrag wird regelmäßig vom Konto abgebucht und der Versicherungsschutz bleibt über viele Jahre bestehen. Ein Vorteil, der sich auch zum Nachteil entwickeln kann. Denn viele Verträge sind so alt, dass sie nicht mehr zu den Bedürfnissen des Versicherten passen, zu teuer oder sogar unnötig geworden sind.

Weniger ist manchmal mehr

Es lässt sich nicht pauschal sagen, welche Policen wichtig sind und welche nicht. Diese Entscheidung hängt immer von individuellen Lebensumständen und Risiken ab. Es ist wichtig, sich gegen Schäden und Risiken abzusichern, die zum Verlust der Lebensgrundlage führen können. „Fällt etwa das Einkommen weg oder ist der Schaden so hoch, dass ich diesen nicht aus Ersparnissen begleichen kann, ist das in der Regel ein Fall für einen Versicherungsvertrag“, erklärt die Versicherungsexpertin Julia Rieder von Finanztip. Dagegen ist es kaum sinnvoll, kleine Risiken abzusichern, die auch ohne Probleme selbst bezahlt werden können.

Deshalb unser Tipp vorweg: Überlegen Sie gut, welche Versicherungen Sie tatsächlich brauchen und welche nicht. Denn jede Versicherung kostet auch Geld. Hilfreich ist vor allem die Frage, ob Sie einen Versicherungsfall auch selbst, mit ihren eigenen finanziellen Mitteln bewältigen könnten. Wenn nicht, lohnt sich die Versicherung in der Regel. Geht zum Beispiel Ihr Smartphone kaputt, bedeutet das keinen finanziellen Einschnitt, für den Sie eine Versicherung benötigen. Brennt allerdings Ihr Eigenheim nieder, sieht das Ganze schon anders aus.

Welche Versicherungen können sinnvoll sein?

Eine Krankenversicherung ist Pflicht. Genau wie eine Kfz-Versicherung für Autofahrer. Arbeitnehmer zahlen außerdem automatisch Sozialbeiträge, zum Beispiel für die gesetzliche Unfall-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung. Darüber hinaus gibt es aber viele weitere Versicherungen, die unter Umständen abgeschlossen werden sollten.



Privathaftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung an sich ist zwar keine Pflicht. Allerdings ist jeder dazu verpflichtet, Schäden zu ersetzen, die er anderen zugefügt hat. Dabei kann es sich sowohl um Sachschäden (z.B. in der Mietswohnung) als auch um Personenschäden (z.B. durch Glätte auf dem Gehweg und Vernachlässigung der Streupflicht) handeln. Besonders, wenn ein Mensch zu Schaden gekommen ist, wird es teuer. Kosten für ernsthafte Verletzungen können für den Verantwortlichen den finanziellen Ruin bedeuten.

Wer keine Privathaftpflichtversicherung hat, sollte sie deshalb so schnell wie möglich abschließen. Eine gute Versicherung deckt Personen- und Sachschäden mit mindestens 10 Millionen Euro ab. Solche Policen gibt es schon ab 40 Euro im Jahr.

Wer bereits eine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, sollte sie überprüfen. Was genau beinhaltet die Versicherung überhaupt? Ist die Deckungssumme hoch genug? Wird eine Selbstbeteiligung verlangt? Sind Mietsachschäden abgesichert? Haftet die Versicherung für Schlüsselverlust – auch im Beruf? Kommt die Versicherung auch für Schäden im EU-Ausland auf? Sind Schäden durch Internetnutzung abgesichert?

Tierhalterhaftpflichtversicherung

Für Hunde- und Pferdebesitzer kann sich zusätzlich zur privaten Haftpflichtversicherung eine Tierhalterhaftpflichtversicherung lohnen. Denn wenn ein Hund auf die Straße rennt und einen Unfall verursacht oder ein Pferd durchgeht und dabei Schaden anrichtet, sind die hohen Kosten abgedeckt. Hier können neben Sachschäden ebenfalls Personenschäden entstehen, die für den Verantwortlichen schnell untragbar werden.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für jeden ratsam, der auf sein Einkommen angewiesen ist. Wer seine Arbeitskraft benötigt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, sollte sie absichern. Wenn Versicherte durch eine Krankheit oder einen Unfall nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten, springt die Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer monatlichen Rente ein. Allerdings sollte eine solche Police nicht ohne Weiteres abgeschlossen werden. Interessenten lassen sich am besten ausführlich beraten. Denn die Beiträge können teuer und die Leistungen mangelhaft ausfallen. Grundsätzlich gilt: Je jünger und je gesünder der Antragsteller, desto günstiger auch die Versicherung. Wer keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen kann oder möchte, dem stehen einige Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung.



Risikolebensversicherung

Besonders bei einem Hauskauf, einer Heirat oder der Geburt eines Kindes sollte über eine Risikolebensversicherung nachgedacht werden. Verstirbt zum Beispiel ein Partner oder ein Elternteil, wird die vereinbarte Summe ausgezahlt. Damit sich die Versicherung lohnt, muss diese Summe hoch genug sein, um das fehlende Einkommen aufzufangen.

Risikolebensversicherung: Prioritäten setzen und Angehörige schützen

Wohngebäudeversicherung

Wer eine Immobilie kauft oder besitzt, sollte unbedingt eine Wohngebäudeversicherung abschließen. Wie hoch die versicherte Summe sein muss, damit sich die Versicherung lohnt, hängt von der Höhe des Kredits beziehungsweise vom Wert der Immobilie ab. Die Wohngebäudeversicherung kommt zum Beispiel für Schäden durch Sturm, Feuer oder Wasserrohrbruch auf. Wer sich auch gegen Überschwemmungen, Starkregen, Erdbeben oder Schneedruck absichern möchte, muss zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abschließen. Diese ist aber besonders in Wohngegenden mit erhöhtem Risiko sehr teuer. Mehr dazu erfahren Sie hier.



Hausratversicherung

Sowohl Immobilienbesitzer als auch Mieter können ihre Einrichtung versichern. Das lohnt sich allerdings nur, wenn sie entweder keine Ersparnisse haben, um sich im Ernstfall neu einzurichten oder wenn sie besonders teure und wertvolle Möbel und Gegenstände besitzen.

Private Unfallversicherung

Arbeitnehmer (und ihre Kinder) zahlen automatisch in die gesetzliche Unfallversicherung ein. Unfälle, die am Arbeitsplatz, in der Schule oder auf dem direkten Arbeits- und Schulweg passieren, sind damit abgedeckt. Ein Umweg vom direkten Arbeitsweg oder ein Abstecher zum Kiosk nach der Schule sorgen schon dafür, dass der Versicherungsschutz nicht mehr gewährleistet ist.

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Außerdem ereignen sich viele Unfälle in der Freizeit. Eine private Unfallversicherung kann sich deshalb für Familien mit Kindern, Menschen mit riskanten Hobbys, ältere Menschen mit Sturzrisiko und für Selbstständige lohnen. Der Versicherungsschutz gilt rund um die Uhr und ist nicht an Arbeitszeiten oder andere Kriterien gebunden.

Rechtsschutzversicherung

In allen Bereichen des Lebens kann es zu Streitigkeiten kommen. Wer sein Recht durchsetzen möchte, muss oft hohe Summen aufbringen. Es fallen zum Beispiel Gerichtskosten, Anwaltskosten, Zeugengelder oder Gutachterkosten an.

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Eine Rechtsschutzversicherung lohnt sich für Menschen, die mit bestimmten Risikobereichen in Berührung kommen. Dazu gehören Verkehrsrecht, Arbeitsrecht, Mietrecht und Wohneigentumsrecht. Wer also viel unterwegs ist, einen Beruf mit hohem Streitrisiko ausübt (z.B. Ärzte, Steuerberater, Selbstständige, Freiberufler, Künstler), Immobilien mietet oder vermietet, ist mit einer Rechtsschutzversicherung gut beraten. Policen ohne Selbstbeteiligung und mit einer Deckungssumme von mindestens 300.000 Euro, die sowohl Streitigkeiten im Privatleben als auch im Beruf, im Verkehr und rund ums Wohnen abdecken, gibt es ab 30 Euro im Monat.



Krankenzusatzversicherungen

Neben dem Standardschutz, den die gesetzliche Krankenversicherung bietet, gibt es noch weitere Möglichkeiten, die eigene Gesundheit abzusichern. Für Selbstständige und Privatversicherte ist es ratsam, eine Krankentagegeldversicherung abzuschließen. Denn anders als gesetzlich versicherte Arbeitnehmer erhalten sie kein Krankengeld. Für Arbeitnehmer, die sehr gut verdienen, reicht das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung oft nicht aus, um Kosten bei längerer Krankheit zu decken. Sie können mit einer Krankentagegeldversicherung aufstocken.

Auch andere Wahltarife bieten die Möglichkeit, die bestehende Krankenversicherung aufzubessern. Dazu gehören zum Beispiel Krankenhauszusatzversicherungen, Behandlungsprogramme für chronisch Kranke oder homöopathische Arzneimittel.

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Zahnzusatzversicherung

Eine Zahnzusatzversicherung lohnt sich spätestens dann, wenn Zahnersatz fällig wird. Hier zahlt die gesetzliche Krankenkasse nur sehr geringe Beiträge, während die Kosten bei mehreren hundert oder sogar mehreren tausend Euro liegen können. Laut Stiftung Warentest wird ab Mitte 40 fast jeder mit dem Thema Zahnersatz konfrontiert. Die Zahnzusatzversicherung kommt nicht nur für die hohen Kosten auf, sondern kann auch dabei helfen, die Zahngesundheit so lange wie möglich zu erhalten. So zahlt sie zum Beispiel die professionelle Zahnreinigung und andere Vorsorgemaßnahmen.

Bitte lächeln: Mit der Zahn-Zusatzversicherung strahlen Sie wieder

Wer schon eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen hat, sollte diese überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Denn es gibt einige Fallen, die viele Verbraucher beim Abschluss nicht beachten.

Private Pflegeversicherung

Eine private Pflegeversicherung kann für diejenigen sinnvoll sein, die sich selbst und ihre Angehörigen vor hohen Kosten im Alter schützen wollen. Denn sobald Pflegebedürftigkeit vorliegt, wird es teuer. Unter Umständen müssen Kinder (oder sogar Enkel) für die Pflege ihrer Eltern (oder Großeltern) aufkommen. Denn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind begrenzt.

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Eine private Pflegeversicherung sollte allerdings nur dann abgeschlossen werden, wenn Versicherte sich die (teilweise hohen) Beiträge über einen langen Zeitraum leisten können. Es kann sich unter Umständen eher lohnen, selbst zu sparen. Aber Achtung: Nicht jeder ist in der Lage, das Sparvorhaben auch in die Tat umzusetzen. Unerwartete Ausgaben oder mangelnde Disziplin können schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem sind die tatsächlichen Kosten, die für angemessene Pflege anfallen, nicht eindeutig abschätzbar. Eine private Pflegeversicherung ist die sichere Variante. Stiftung Warentest empfiehlt eine monatliche Auszahlung von 1.500 Euro im Pflegefall. Eine solche Police kann ab ungefähr 20 Euro im Monat abgeschlossen werden.

Zum Vergleich: Wer jeden Monat selbst 20 Euro zur Seite legt, hat nach 30 Jahren eine Summe von insgesamt 7.200 Euro erreicht.

Sterbegeldversicherung

Ähnliches gilt bei der Sterbegeldversicherung. Zwar können die Kosten einer Beerdigung relativ genau eingeschätzt werden und Sparer können über einen langen Zeitraum mit kleinen Raten leicht um die 10.000 Euro ansparen. Allerdings ist der Todeszeitpunkt ungewiss. Eine Sterbegeldversicherung, die im Todesfall eine Summe von 10.000 Euro auszahlt, ist schon ab 20 Euro im Monat erhältlich. Viele Policen bieten auch die Möglichkeit, Wünsche zur eigenen Beerdigung testamentarisch festzuhalten. Mehr Informationen finden Sie in diesem kostenlosen Ratgeber zum Thema Sterbegeldversicherung.


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