Ungerechte Verteilung? Rentner haben zu große Wohnungen

Während Alleinerziehende und Geringverdiener immer beengter leben müssen, haben Rentner oft zu viel Platz. Die ungerechte Verteilung von Wohnraum beschäftigt aktuell Gewerkschaften, Immobilienunternehmen und andere Initiatoren. Doch eine Umverteilung ist kompliziert.

25.01.2019
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 25.01.2019
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Mehrfamilienhaus Altbau
© Free-Photos/pixabay.com

Steigende Mietpreise sorgen dafür, dass große Wohnungen in begehrten Lagen für viele kaum noch zu bezahlen sind. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes hat ergeben, dass sieben Prozent der Deutschen zu beengt lebt. Einerseits wegen der hohen Preise und andererseits, weil die meisten großen Wohnungen schon vergeben sind.

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Rentner „blockieren“ Wohnraum

Wer trotz des geringen Angebots eine geräumige und zentral gelegene Wohnung gefunden hat, muss dafür tief in die Tasche greifen. Für viele Alleinerziehende und Geringverdiener ist mittlerweile sogar eine Ein-Zimmer-Wohnung zu teuer. Immer öfter müssen sie deshalb auf Wohngemeinschaften ausweichen. Viele Rentner leben hingegen allein in geräumigen Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen.

Im Schnitt stehen jedem Deutschen 46 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Eine Studie des Pestel-Instituts in Hannover hat ergeben, dass Rentner deutlich darüber liegen. Demnach lebt jeder Rentner auf durchschnittlich 59 Quadratmetern.



Viele Rentner wollen kleinere Wohnungen

Dass gerade ältere Menschen allein in großen Wohnungen leben, kommt nicht von ungefähr. Meist handelt es sich um Rentner, die zuvor mit ihren Partnern und / oder Kindern zusammen gewohnt haben. Ziehen die Kinder aus oder verstirbt der Partner, steht plötzlich mehr Wohnraum als nötig zur Verfügung.

Die meisten Rentner sind selbst der Ansicht, dass sie zu viel Platz haben. Eine repräsentative Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) hat ergeben, dass sich 60 Prozent der Rentner räumlich verkleinern möchten. Im Schnitt möchten sie ihren Wohnraum um 23 Quadratmeter verringern. In die Tat umgesetzt, würde das bedeuten, dass allein in Berlin 200.000 Wohnungen ab 100 Quadratmetern frei würden.

Umzug für Rentner teuer und kompliziert

Allerdings ist das Ganze leichter gesagt als getan. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung ist für Rentner meistens problematisch. Denn dass sie sich die großen Wohnungen überhaupt leisten können, verdanken sie in erster Linie den alten Mietverträgen. Diese sind oft noch nicht von der aktuellen Mietpreisentwicklung betroffen. Deshalb würden viele Rentner draufzahlen, wenn sie in eine kleinere Wohnung umziehen.

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Beispiel:

Ein Rentner lebt seit 2001 in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung in Berlin und zahlt 600 Euro (kalt). Das entspricht einem Quadratmeterpreis von sechs Euro.

Für neu vermietete Wohnungen zwischen 60 und 80 Quadratmetern liegen die durchschnittlichen Preise in Berlin heute allerdings bei elf Euro pro Quadratmeter. Möchte der Rentner sich nun räumlich verkleinern und in eine 77 Quadratmeter große Wohnung ziehen, müsste er 847 Euro zahlen (kalt). Bei einer Verkleinerung des Wohnraums um 23 Quadratmeter würde der Rentner also rund 250 Euro mehr Miete zahlen.

Oft leben Rentner auch in Eigentumswohnung oder im eigenen Haus. Hier fällt die räumliche Verkleinerung ebenfalls schwer, weil zunächst das Eigenheim verkauft werden und der Verkaufspreis zur Finanzierung einer kleineren Wohnung ausreichen muss.



Günstigere Stadtteile sind keine Alternative

Mit einem Umzug in einen weniger begehrten Stadtteil könnten Rentner sicherlich Miete sparen. Allerdings fehlt ihnen dann oft der unkomplizierte Zugang zu Einkaufsläden, Ärzten, Apotheken und öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Entfernungen vergrößern, ist hoch.

Projekte für die Umverteilung

Bis zum Jahr 2040 soll die Zahl der Senioren von 18 auf 24 Millionen steigen. Dafür gibt es längst nicht genügend bezahlbaren Wohnraum. Hier zeigt sich der deutliche Handlungsbedarf auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Die Gewerkschaft IG Bau fordert zum Beispiel eine Umzugsprämie von bis zu 5.000 Euro, die Rentner in Ballungsräumen erhalten sollen. Allerdings ist damit nicht der Wohnungsmangel behoben. Eine andere Möglichkeit ist der Wohnungstausch. Auf verschiedenen Tauschbörsen können Mieter ihre Wohnung mit jemandem tauschen, der sich räumlich vergrößern will. Diesen Ansatz verfolgt auch das private Immobilienunternehmen LEG. Mit der Initiative „Wohnen für Generationen“ werden Mieter in NRW finanziell und organisatorisch beim Wohnungstausch unterstützt. So werden zum Beispiel die alten Quadratmeterpreise auch in der neuen Wohnung zugesichert und kleine, altersgerechte Wohnungen zuerst älteren Menschen aus der Umgebung angeboten, sodass der Wechsel in einen neuen Stadtteil nicht nötig wird.


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