Beiträge steigen: Ein Viertel des Gehalts für die Krankenkasse?

Die Sozialsysteme in Deutschland werden zunehmend belastet. Niedrige Geburtsraten, steigende Lebenserwartung und medizinischer Fortschritt entwickeln sich immer mehr zu Kostentreibern. Das hat auch Auswirkungen auf die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

05.10.2018
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  • 05.10.2018
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Rechnung vom Arzt
© Dan Race/de.fotolia.com

Die Beiträge sollen massiv steigen. Das ergibt eine Hochrechnung der DAV (Deutsche Aktuarvereinigung). Die Versicherungsmathematiker haben eine Prognose für die Beiträge zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung gestellt. Die Aussicht bis zum Jahr 2060 gibt zu denken.

Gesetzliche Krankenkasse: Beitragssatz bis 25 Prozent

Laut DAV kann der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 15,6 Prozent bis zum Jahr 2060 auf knapp 25 Prozent steigen. Das Handelsblatt berichtet, dass die gesetzlichen Krankenkassen besonders durch strukturelle Einnahmeschwächen unter Druck geraten. Denn die Ausgaben für die Sozialversicherung steigen ähnlich wie das Bruttoinlandsprodukt. Die Einnahmen erhöhen sich allerdings deutlich langsamer.

Pflegeversicherung: Beitragssatz bis 8,5 Prozent

Auch die Pflegeversicherung ist von diesen Entwicklungen betroffen. Der Beitragssatz in der gesetzlichen Pflegeversicherung beträgt aktuell 2,55 Prozent für Eltern und 2,80 Prozent für Kinderlose. 2019 soll der Beitragssatz bereits auf 3,05 Prozent bzw. 3,3 Prozent steigen. Laut DAV ist bis zum Jahr 2060 mit einem Anstieg auf 8,5 Prozent zu rechnen.

Private schneiden besser ab

Die private Pflegepflichtversicherung kann sogar viereinhalb Mal so teuer werden wie 2015. Allerdings ist der Vergleich zur gesetzlichen Pflegeversicherung zu berücksichtigen. Durch demografischen Wandel und medizinischen Fortschritt „steigen die Beiträge im Extremszenario zwar um den Faktor 4,5 – ein Vergleich von sozialer und privater Pflegeversicherung offenbart aber das derzeit niedrige Beitragsniveau der privaten Pflegeversicherung. Während Versicherte dafür monatlich durchschnittlich 30 Euro zahlen, liegt der vergleichbare Beitrag in der gesetzlichen Pflegeversicherung für Kinderlose bei 123,90 Euro im Monat“, heißt es in der Pressemitteilung der DAV. Und auch die private Krankenversicherung hat einige Vorteile.



Weniger Druck für die private Krankenversicherung

Die Einnahmeprobleme, die sich bei den gesetzlichen Kassen bemerkbar machen, gelten für die private Krankenversicherung nicht. Die Beiträge werden nicht als Prozentsatz des Einkommens berechnet, sondern nach dem jeweiligen Krankheitsrisiko des Versicherten. Außerdem werden in der privaten Krankenversicherung Altersrückstellungen gebildet. Der demografische Wandel übt also keinen so großen Druck aus. Ganz verschont bleiben die privaten Krankenkassen aber auch nicht. Denn der medizinisch-technische Fortschritt und die andauernde Tiefzinsphase wirken sich hier negativ aus. Bleiben die Zinsen niedrig, erhöht sich der Durchschnittsbeitrag bis zum Jahr 2060 um das 2,7-fache. „Kommt es hingegen zu einer Zinserholung ab 2030, reduziert sich der Faktor auf 2,4“, betont die DAV in ihrer Pressemitteilung vom 25. September 2018.

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Effizienz des Gesundheitssystems steigern

Besonders im Hinblick auf den medizinischen Fortschritt als Kostentreiber müsse das Gesundheitssystem angepasst werden, um Kosten zu sparen. Dr. Karl-Josef Bierth, Vorstandsmitglied der DAV, betont, dass der Ausbau der Telemedizin und die Einführung einer digitalen Gesundheitskarte ein erster Schritt zur Kostenersparnis wäre. Insgesamt müssten künftige Leistungserweiterungen des Krankenversicherungs- und Pflegesystems kritisch hinterfragt und auf ihre Bezahlbarkeit geprüft werden.


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