Flexibel arbeiten – konstant kaputtgehen?

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Menschen unterwegs
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Selbst entscheiden, wann und wo man seine Arbeit erledigt. Arbeitszeiten selbst einteilen. Immer mal wieder von zu Hause arbeiten statt im Büro. Über Laptop und Smartphone ständig erreichbar sein. All das ist längst keine Seltenheit mehr. Doch was zunächst klingt wie ein Segen, ist für viele ein Fluch.


In immer mehr Branchen und Betrieben gehört flexible Arbeit schon zum Alltag. Anderswo werden Forderungen danach laut. Doch ist es wirklich gut, derart freie Hand zu haben? Flexible Arbeitszeiten können ein Segen sein. Gleichzeitig heißt Flexibilität aber auch Verantwortung und Verfügbarkeit. In einer Arbeitswelt, die sich mehr und mehr durch Burnout und Depressionen kennzeichnet, muss dieses Modell hinterfragt werden. Besonders, da heutzutage über 30 Prozent aller Fälle von Berufsunfähigkeit auf Nervenkrankheiten zurückzuführen sind.

Einfach mal abschalten?

Das ist für viele Beschäftigte zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden. Und das scheint häufig auch mit flexiblen Arbeitsmodellen in Verbindung zu stehen. Natürlich bringen diese auch Vorteile mit sich – etwa leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Allerdings scheinen die Nachteile mindestens genauso deutlich ins Gewicht zu fallen. Denn wer zum Beispiel seine Arbeit mit nach Hause nimmt, hat oft Schwierigkeiten, abzuschalten.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits im vergangenen Jahr berichtet, ergab eine Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums, dass die ständige Erreichbarkeit über das Smartphone Arbeitnehmern deutlich zusetzt. Ruft der Chef beispielsweise am Sonntag an, sei es für das Stressempfinden des Beschäftigten unbedeutend, ob in der folgenden Woche ein Ausgleich für die spontan geleistete Arbeit geschaffen wird. Zwar hat die Studie ebenfalls ergeben, dass der Stressfaktor für Arbeitnehmer geringer ist, die sich generell ihre Zeit freier einteilen können. Doch die negativen Auswirkungen seien dadurch nicht vollständig zu beheben.

Rahmenbedingungen sind entscheidend

Andere Untersuchungen zeigen hingegen, dass sich Beschäftigte bei flexibler Arbeit eher mit dem Betrieb verbunden fühlen und sich mit dem Unternehmen identifizieren können.

Ob sich flexible Arbeitszeiten und Heimarbeit nun positiv oder negativ auswirken, hängt stark von den gesetzten Rahmenbedingungen ab. Es kann hilfreich sein, wenn der E-Mail-Verkehr innerhalb eines Betriebs eingeschränkt wird, damit Beschäftigte nicht das Gefühl haben, dauernd ihr Postfach checken zu müssen. Wichtige Absprachen sollten nach Möglichkeit zu festgelegten Zeiten stattfinden, in denen jeder gut zu erreichen ist. Auf diese Weise wird der Druck, für wichtige Rücksprachen ständig erreichbar zu sein, deutlich reduziert. Darüber hinaus können Unternehmen ab einer gewissen Uhrzeit ihre Server abstellen, sodass zum Beispiel die Arbeit am Computer nach 22 Uhr nicht mehr möglich ist. Denn vielen Arbeitnehmern, die ganz oder teilweise von zu Hause arbeiten, fällt es schwer, ein Ende zu finden. Der Laptop ist da und mit ihm die Arbeit. Ob bewusst oder nur im Hinterkopf - wo es keinen geregelten Schlussstrich gibt, befindet man sich noch im Arbeitsmodus.

Ideale Rahmenbedingungen zu schaffen, liegt damit nicht allein in der Hand der Arbeitgeber. Auch Arbeitnehmer müssen sich, wenn sie von flexiblen Arbeitsmodellen profitieren wollen, in der Verantwortung sehen. Wer teilweise oder ganz von zu Hause arbeitet, kann und muss seinen Arbeitstag bewusst planen und organisieren. Hierzu gehört auf der einen Seite die Wahl des Arbeitsplatzes zu Hause. Er sollte genau das sein: Ein Arbeitsplatz. Sich mit dem Laptop an den Familientisch oder auf das Sofa zu setzen, klingt erst einmal verlockend. Entspannter könnte ein Arbeitstag immerhin nicht aussehen. Doch der Schein trügt. Denn gerade durch diese alltägliche Umgebung, in der unzählige Reibungspunkte zwischen Arbeit und Privatleben vorherrschen, fällt die Konzentration besonders schwer. Dadurch wird das Stressempfinden vieler Arbeitnehmer gesteigert. Ein ordentlicher Schreibtisch, an dem konzentriert und in Ruhe gearbeitet werden kann, ist unverzichtbar. Gleiches gilt für die Kleidung. So unerheblich, wie das Aussehen im Homeoffice zunächst erscheint, ist es nicht. Wer von zu Hause arbeitet, sollte sich genauso fertig machen, als würde er ins Büro fahren. In die Jogginghose sollten Arbeitnehmer erst dann schlüpfen, wenn sie das Homeoffice verlassen. Somit sind sie während der Arbeitszeit in der Regel effizienter und es fällt außerdem leichter, einen deutlichen Zeitrahmen zu setzen. Denn wer flexibel arbeitet, muss Arbeitszeiten selbstständig festlegen und auch begrenzen. Die disziplinierte Begrenzung fällt besonders schwer. Doch wer zum Feierabend abschalten möchte, muss dazu auch einmal konsequent den Laptop ausschalten.

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