Angst vor Altersarmut: Jeder zweite Deutsche macht sich Sorgen

Die finanzielle Absicherung im Alter ist ein Thema, das vielen Deutschen Sorgenfalten bereitet. Jeder Zweite fürchtet sich vor finanziellen Engpässen. Experten raten von diesem Pessimismus ab und erklären, warum die meisten Menschen im Alter keine Probleme haben.

04.01.2019
  • Lesezeit ca. 3 Minuten
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Altersarmut
© Life Of Pix (Max Martin)/www.pexels.com

Im Jahr 2018 gab es in Deutschland so viele Erwerbstätige wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Obwohl die Zahl der Beschäftigten damit auf ein Rekordhoch geklettert ist, blicken die Deutschen pessimistisch in die Zukunft. Viele befürchten den finanziellen Absturz im Alter. Das zeigt eine repräsentative Studie der Beratungsgesellschaft EY. Ganze 56 Prozent (18 Prozent mehr als im Jahr davor) gaben an, dass sie sich vor Altersarmut fürchten.

Sozialverbände und Linke fordern Maßnahmen

Angesichts dieser Ergebnisse werden Forderungen nach politischen Strategien gegen die drohende Altersarmut laut. Sozialverbände verlangen ein Gesamtpaket, das sowohl Arbeitnehmern als auch Rentnern zugutekommt. Ein höherer Mindestlohn, die Anhebung des Rentenniveaus und eine Reform der Altersgrundsicherung seien wichtige Schritte. Auch die Linke-Fraktion macht sich für eine weitere Erhöhung des Mindestlohns und eine Verbesserung des Rentenniveaus stark.

Private Altersvorsorge: So schnell sorgenfrei

Zum Jahresanfang 2019 wurde der Mindestlohn bereits von 8,84 Euro auf 9,19 Euro angehoben. Diese Entwicklung reiche allerdings nicht aus. Laut Kritikern ist ein Stundenlohn von mindestens 12 Euro erforderlich, um im Alter nicht auf Sozialhilfe (Grundsicherung) angewiesen zu sein.

Im August 2018 hat die Bundesregierung beschlossen, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2025 auf dem aktuellen Niveau von 48 Prozent gehalten werden soll. Das bedeutet, dass die Durchschnittsrente nach 45 Beitragsjahren mindestens 48 Prozent des Durchschnittslohns betragen soll. Da es sich hierbei um Durchschnittswerte handelt, kann es im Einzelfall vorkommen, dass die Rente doch niedriger ausfällt. Deshalb sprechen Linke und Sozialverbände sich für eine Sicherung von 53 Prozent aus.



Experten geben Entwarnung

Während die Diskussion um Altersarmut weiter anhält, sprechen sich einige Experten gegen die zunehmenden Sorgen aus. Gert G. Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt gegenüber dem Tagesspiegel, dass er die Angst der Menschen zwar verstehen könne, dass diese aber in den meisten Fällen unbegründet sei. Immerhin habe die gesetzliche Rente noch nie 100 Prozent der Einnahmen im Alter gedeckt. Wagner betont, dass auch frühere Generationen ihr Renteneinkommen auf zusätzliche Einnahmequellen gestützt haben. Wer zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorsorgt, werde demnach keine schwerwiegenden Probleme bekommen. „Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Für den, der keine private oder betriebliche Altersvorsorge hat und auch keine Immobilie besitzt, könnte es im Alter schon knapp werden“, heißt es im Tagesspiegel.

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Erwerbsminderungsrenten werden angehoben

Natürlich wirken viele Renten teilweise miserabel. Die Erwerbsminderungsrente für Personen, die die körperlichen Anforderungen ihres Berufs nicht mehr erfüllen können, ist ein gutes Beispiel. Für Männer betrug sie Ende 2017 im Westen durchschnittlich 782 Euro und für Frauen 751 Euro. Im Osten erhielten Männer durchschnittlich 740 Euro und Frauen 845 Euro. Damit sind Menschen, die in den letzten 15 Jahren eine Erwerbsminderungsrente erhalten haben, armutsgefährdet. 14,7 Prozent der betroffenen Rentner waren im Jahr 2016 auf Grundsicherung angewiesen.

Ab 2019 fallen die Erwerbsminderungsrenten nun höher aus. Die Zurechnungszeiten werden angehoben, sodass Antragsteller behandelt werden, als hätten sie bis zum regulären Renteneintrittsalter gearbeitet. „Es ist wirklich gut, dass die Erwerbsminderungsrenten ab sofort höher ausfallen werden“, betont Gert G. Wagner.



Es kommt auf den Blickwinkel an

Ähnlich schlecht wie die durchschnittlichen Erwerbsminderungsrenten der vergangenen Jahre sehen auch die Altersrenten aus. Zumindest, wenn man sie aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet. Die Durchschnittsrente von Frauen im Westen liegt bei 622 Euro im Monat. Dieser Wert lässt tatsächlich Sorgen aufkommen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass hier auch alle Hausfrauen eingerechnet werden, die fast nichts in die Rentenkasse eingezahlt haben.

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Betrachtet man hingegen nur die Rentner, die 35 Beitragsjahre vorweisen können, erhalten Männer im Schnitt 1.298 Euro im Monat. Wer also lange genug in die Rentenversicherung einzahlt, kann in vielen Fällen mit einer ausreichenden Rente rechnen.

Die wenigsten leben allein von gesetzlicher Rente

Hinzu kommt, dass nur wenige Menschen allein von der gesetzlichen Rente leben. Die meisten haben zusätzlich vorgesorgt und können sich im Alter auf weitere Einnahmequellen verlassen, wie zum Beispiel Betriebsrenten, Lebensversicherungen oder Einnahmen aus Immobilien oder anderen Kapitalanlagen. Laut Versicherungsverband gab es Ende 2017 über 88 Millionen abgeschlossene Lebensversicherungen, mehr als zehn Millionen Riester-Verträge, fast zwei Millionen Basisrentenverträge und weitere 15,7 Millionen Betriebsrentenverträge.

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Der letzte Alterssicherungsbericht der Bundesregierung hat deshalb auch ergeben, dass Ehepaare ab einem Alter von 65 Jahren ein durchschnittliches Gesamteinkommen von 2.543 Euro netto im Monat zur Verfügung haben. Mit der gesetzlichen Rente und zusätzlicher Vorsorge lässt sich also der Lebensstandard auch im Alter halten.


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